Zahl des Monats  Novem­ber 2022 

Seit Mona­ten sind Fie­ber­säf­te für Kin­der in Deutsch­land knapp. Grund sind die nied­ri­gen Erstat­tungs­prei­se. Jetzt wur­de der Fest­be­trag bei Par­acet­amol-Fie­ber­säf­ten zwar erhöht — jedoch nicht genug, um die Lage zu entspannen.

Kei­ne Erleich­te­rung – ab Janu­ar erhal­ten Her­stel­ler für
Par­acet­amol-Fie­ber­saft nur 7 Cent mehr

Seit Mona­ten sind Par­acet­amol-Fie­ber­säf­te für Kin­der in Deutsch­land knapp. Grund sind die nied­ri­gen Erstat­tungs­prei­se. Jetzt wur­de der Fest­be­trag – das ist die Sum­me, die Kran­ken­kas­sen für ein Prä­pa­rat erstat­ten – um 7 Cent für die Her­stel­ler erhöht. Das ist zu wenig, um die Lage zu entspannen.

  • Bloß 1,36 Euro erhält ein Her­stel­ler für eine Fla­sche Par­acet­amol-Fie­ber­saft der­zeit von den Kran­ken­kas­sen erstattet.
  • Ab Janu­ar steigt die­ser Fest­be­trag an – auf 1,43 Euro (Her­stel­ler­ab­ga­be­preis).
  • Der Fest­be­trag für Ibu­profen-Fie­ber­saft – der­zeit eben­falls knapp – wur­de nicht
    erhöht.

Her­stel­lung von Fie­ber­saft für Unter­neh­men nicht mehr wirtschaftlich

Ver­schie­de­ne Kos­ten­spar­in­stru­men­te hal­ten den Preis für Fie­ber­säf­te seit Jah­ren im Kel­ler. Weil sie nicht mehr wirt­schaft­lich war, stie­gen beim Fie­ber­saft mit dem Wirk­stoff Par­acet­amol immer mehr Her­stel­ler aus der Pro­duk­ti­on aus. Seit Mai ver­sorgt Teva allein über 90 Pro­zent des Mark­tes – und hat dabei mit explo­die­ren­den Kos­ten zu kämp­fen: Allein der Preis für den Wirk­stoff Par­acet­amol ist um 70 Pro­zent gestiegen.

Schafft die Anhe­bung des Fest­be­trags Erleichterung?

„Die Erhö­hung bringt uns umge­rech­net 7 Cent mehr pro Fla­sche – zu wenig um aus dem Minus­ge­schäft raus zu kom­men.“, sagt Andre­as Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer Teva Deutsch­land und Öster­reich. „Es ist ein posi­ti­ves Signal, das Grund­pro­blem aber bleibt.“ Um wirt­schaft­lich pro­du­zie­ren zu kön­nen, hat Teva nun den Preis über den Fest­be­trag erhöht. Burk­hardt: „Das war kein leich­ter Schritt für uns, da die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten jetzt Zuzah­lun­gen leis­ten müssen.“

Fest­be­trag bei Ibu­profen seit Jah­ren unver­än­dert auf Kellerniveau

Auch bei Ibu­profen-Fie­ber­saft herrscht eine signi­fi­kan­te Markt­kon­zen­tra­ti­on. Zen­ti­va hat rund zwei Drit­tel des Mark­tes zu ver­sor­gen. Auch hier ist das Preis­ni­veau ein Pro­blem. Der Fest­be­trag wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer nur abge­senkt.  Für Pro Gene­ri­ka-Geschäfts­füh­rer Bork Brett­hau­er ist das Erstat­tungs­sys­tem für Kin­der­arz­nei­mit­tel eine Ursa­che für die aktu­el­le Knapp­heit: „Wer Kin­der­arz­nei­mit­tel her­stellt, wird bestraft. Kin­der benö­ti­gen Säf­te – und die sind teu­rer und auf­wen­di­ger zu pro­du­zie­ren. Die Fest­be­trä­ge berück­sich­ti­gen das nicht aus­rei­chend, das muss sich ändern!“

Wei­te­re Fra­gen und Ant­wor­ten zu der Situa­ti­on bei den Fie­ber­säf­ten fin­den Sie hier.

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Zahl des Monats  Okto­ber 2022 

Ist Euro­pas letz­te voll­um­fäng­li­che Peni­cil­lin-Pro­duk­ti­on in Gefahr? Wenn sich die Arz­nei­mit­tel-Pro­duk­ti­on auf weni­ge Her­stel­ler und Regio­nen kon­zen­triert, ent­ste­hen gefähr­li­che Abhän­gig­kei­ten. Die Ener­gie­kri­se ver­schärft aktu­ell das Pro­blem — das Risi­ko für Eng­päs­se steigt.

Letz­te Peni­cil­lin-Her­stel­lungs­stät­te in Europa

Der öster­rei­chi­sche Ort Kundl ist die ein­zi­ge euro­päi­sche Pro­duk­ti­ons­stät­te, in der die­se lebens­wich­ti­ge Arz­nei­mit­tel­grup­pe noch her­ge­stellt wird – und zwar voll­um­fäng­lich, also vom Wirk­stoff bis zum Fer­tig­arz­nei­mit­tel. Jetzt explo­die­ren die Ener­gie­kos­ten und die Fra­ge lau­tet: Wie lan­ge geht das noch?

  • Das Werk in Kundl stellt auch Amoxi­cil­lin her — ein Peni­cil­lin-Deri­vat, das etwa Kin­der bei Lun­gen- oder Mit­tel­ohr­ent­zün­dun­gen ver­schrie­ben bekommen.
  • Der Preis, den die Her­stel­ler dafür bekom­men, sinkt seit Jah­ren. Immer mehr Unter­neh­men haben sich des­halb aus dem Markt zurückgezogen.
  • Als letz­tes gro­ßes Unter­neh­men ist San­doz mit Amoxi­cil­lin auf dem deut­schen Markt. Das Unter­neh­men, das in Kundl pro­du­ziert, hat einen Markt­an­teil von 70 Prozent.

Eine gefähr­li­che Marktkonzentration

Wie ris­kant es ist, wenn die Ver­sor­gung bloß noch von einem Haupt­an­bie­ter gestemmt wird, mer­ken der­zeit die Patient:innen in der Apo­the­ke. Wäh­rend die Bedar­fe an Amoxi­cil­lin in die Höhe schnel­len, kann die Pro­duk­ti­on so schnell nicht ange­passt wer­den. Ers­te Lie­fer­eng­päs­se sind die Fol­ge. Und ande­re Her­stel­ler kön­nen nicht ein­sprin­gen, da sie die Pro­duk­ti­on längst ein­ge­stellt haben.

Stei­gen­de Ener­gie­kos­ten ver­schär­fen das Pro­blem. „Wir haben bei der Anti­bio­ti­ka-Pro­duk­ti­on mas­si­ve Kos­ten­stei­ge­run­gen“, sagt Peter Ste­ni­co, Coun­try Head San­doz Ger­ma­ny. „Das Werk in Kundl ver­braucht etwa so viel Strom wie die Stadt Inns­bruck. Die Ener­gie­kos­ten lagen bis­her bei etwa 10 bis 15 Mil­lio­nen Euro im Jahr. Die Pro­gno­se für 2023: Kos­ten von 100 bis 120 Mil­lio­nen Euro.“

Trotz explo­die­ren­der Kos­ten kön­nen die Her­stel­ler die Prei­se für Amoxi­cil­lin nicht erhö­hen. Die­se wer­den durch Fest­be­trä­ge und aggres­si­ve Aus­schrei­bun­gen der Kran­ken­kas­sen auf Kel­ler­ni­veau festgeschrieben.

„Wenn Unter­neh­men mit der Her­stel­lung von Arz­nei­mit­teln ins Minus rut­schen, müs­sen sie die Pro­duk­ti­on ein­stel­len“, sagt Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka. „Die Poli­tik muss jetzt gegen­steu­ern und es den Gene­ri­ka-Her­stel­lern mög­lich machen, ihre Prei­se den Kos­ten anzu­pas­sen. Ansons­ten zie­hen sich noch mehr Unter­neh­men zurück und es wird wei­te­re Eng­päs­se geben.“

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Zahl des Monats  94  Sep­tem­ber 2022 

Das Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz böte die Chan­ce gegen Eng­päs­se vor­zu­ge­hen. Doch im Ent­wurf, der der­zeit dis­ku­tiert wird, fin­det sich dazu kei­ne Zeile.

94 Sei­ten Gesetz­ent­wurf – aber kei­ne Zei­le zur Sta­bi­li­sie­rung der Grundversorgung

Ver­gan­ge­ne Woche dis­ku­tier­te der Bun­des­tag erst­mals über den von Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach ein­ge­brach­ten Ent­wurf des GKV-Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­set­zes. Auf den 94 Sei­ten, die das der­zeit wich­tigs­te Gesetz der deut­schen Gesund­heits­po­li­tik umfasst, lässt sich aus kei­ner Zei­le ent­neh­men, dass die Poli­tik die Sta­bi­li­sie­rung der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung ange­hen will.

  • Posi­tiv ist: Gene­ri­ka blei­ben laut Gesetz­ent­wurf von wei­te­ren Ein­spa­run­gen verschont.
  • Offen­bar hat auch die Poli­tik ver­stan­den, dass der Kos­ten­druck auf Gene­ri­ka inzwi­schen maxi­mal hoch ist.
  • Der Erhalt des Sta­tus Quo aber reicht nicht. Die gro­ße Zahl der Eng­päs­se zeigt: Die Ver­sor­gungs­si­cher­heit wackelt. Es braucht Maß­nah­men zu ihrer Stabilisierung.

Was kann das GKV-Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz gegen Arz­nei­mit­tel­eng­päs­se tun?

Dazu sagt Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka: „Das Gesetz wird unse­re Gesund­heits­ver­sor­gung in den kom­men­den Jah­ren beein­flus­sen und prä­gen. Die letz­ten Mona­te aber haben gezeigt: So kann es nicht wei­ter­ge­hen.  Wenn selbst­ver­ständ­li­che Arz­nei­mit­tel nicht ver­füg­bar sind und Patient:innen von Apo­the­ke zu Apo­the­ke gehen müs­sen, läuft etwas falsch. Ein­spa­run­gen hin, Ein­spa­run­gen her – die Men­schen müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass sie ihre Medi­ka­men­te bekom­men. Dafür braucht es einen Sys­tem­wan­del – und genau den packt die Poli­tik nicht an.“

Wie die Infla­ti­on das Pro­blem noch verschärft

Dabei könn­ten kon­kre­te Maß­nah­men das Pro­blem schon kurz­fris­tig ent­schär­fen. Zum Hin­ter­grund: Die Kos­ten für Wirk­stof­fe, Fracht und Ver­pa­ckun­gen stei­gen, Gene­ri­ka­her­stel­ler aber kön­nen ihre Prei­se nicht erhö­hen. Auf den Mehr­kos­ten blei­ben sie sit­zen und das bei Kal­ku­la­tio­nen und Lie­fer­ket­ten, die ohne­hin schon auf Kan­te genäht sind. Brett­hau­er: „Wenn die Her­stel­ler Ver­lust­ge­schäf­te machen, stei­gen sie aus der Pro­duk­ti­on aus. Wozu das führt, haben wir an den Eng­päs­sen beim Krebs­mit­tel Tam­oxi­fen und bei Fie­ber­saft gese­hen. Die Poli­tik muss jetzt durch­set­zen, dass mit den Kos­ten auch die Prei­se stei­gen kön­nen – sonst dro­hen wei­te­re Eng­päs­se. Das der­zeit dis­ku­tier­te Gesetz böte die Chan­ce, genau das zu tun.“

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Zahl des Monats  77  August 2022 

Die Infla­ti­on trifft die Gene­ri­ka-Bran­che beson­ders hart, denn Her­stel­ler blei­ben auf den Mehr­kos­ten sit­zen. Prei­se erhö­hen? Geht nicht. Und der Infla­ti­ons­aus­gleich kann das Pro­blem auch nicht abmildern.

Infla­ti­ons­aus­gleich bringt kei­ne Ent­las­tung, denn für 77 Pro­zent der Gene­ri­ka gilt er über­haupt nicht

Die Prei­se für Wirk­stof­fe, Pro­duk­ti­on und Fracht explo­die­ren – und das wird immer mehr zum Pro­blem für die Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land. Denn: Die Gene­ri­ka-Her­stel­ler kön­nen die stei­gen­den Kos­ten etwa für Fracht, Papier und Wirk­stof­fe nicht auf den Preis umle­gen. Zwar sieht das Gesetz eine Mög­lich­keit vor, die es den Her­stel­lern erlaubt, den Preis um den Wert der Infla­ti­on anzu­he­ben. Doch die­ser Infla­ti­ons­aus­gleich mil­dert das Pro­blem nicht. Für 77 Pro­zent der gene­ri­schen Arz­nei­mit­tel (PZN) gilt er nicht – und bei den übri­gen bil­det er nicht die rea­len Kos­ten­stei­ge­run­gen für die Indus­trie ab.

Dar­um trifft die Infla­ti­on die Gene­ri­ka-Her­stel­lern beson­ders hart:

  • Der Infla­ti­ons­aus­gleich gilt nur für einen klei­nen Teil der Gene­ri­ka. Denn er ist nur auf Arz­nei­mit­tel anwend­bar, die kei­nem Fest­be­trag unter­lie­gen. Da aber 77 Pro­zent der Gene­ri­ka (PZN) fest­be­trags­ge­re­gelt sind (d.h. es gibt einen Maxi­mal­be­trag, den die Kran­ken­kas­se dem Her­stel­ler erstat­tet), kön­nen die Unter­neh­men den Infla­ti­ons­aus­gleich nur für einen klei­nen Teil ihrer Arz­nei­mit­tel über­haupt gel­tend machen.
  • Der Infla­ti­ons­aus­gleich kann Preis­stei­ge­run­gen nur bedingt abmil­dern.  Denn er ist nicht auf die phar­ma­zeu­ti­sche Indus­trie zuge­schnit­ten. Er ori­en­tiert sich am Ver­brau­cher­preis­in­dex – d.h. er misst monat­lich die durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung aller Waren und Dienst­leis­tun­gen, die pri­va­te Haus­hal­te in Deutsch­land für Kon­sum­zwe­cke kau­fen. Für die Berech­nung des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes wird ein Waren­korb zugrun­de gelegt, der 650 Güter­ar­ten umfasst. Die­se sind alle­samt auf pri­va­te Bedar­fe – nicht aber auf Pos­ten wie Fracht und Papier aus­ge­legt, die bei der Pro­duk­ti­on von Arz­nei­mit­teln etwa für Logis­tik und Aus­gangs­stof­fe anfallen.
  • Gene­ri­ka-Her­stel­ler blei­ben auf den erhöh­ten Kos­ten sit­zen. Denn ein Netz aus Kos­ten­spar­in­stru­men­ten ver­hin­dert eine Anpas­sung der Prei­se bei Arz­nei­mit­teln. Fest­be­trä­ge, Rabatt­ver­trä­ge sowie das Preis­mo­ra­to­ri­um haben die­se auf Kel­ler­ni­veau ein­be­to­niert und machen – ver­schärft durch den poli­tisch gewoll­ten und extrem har­ten Wett­be­werb der Her­stel­ler unter­ein­an­der – die Pro­duk­ti­on eini­ger gene­ri­scher Arz­nei­mit­tel der­zeit unwirtschaftlich.

Was bedeu­tet das für die Generika-Hersteller?

Dazu Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka: „Wenn wir die Ver­sor­gung mit Gene­ri­ka sichern wol­len, müs­sen wir ange­sichts der explo­die­ren­den Kos­ten den Preis­druck lockern. Der Infla­ti­ons­aus­gleich reicht dafür bei wei­tem nicht aus. Ande­ren­falls muss uns klar sein, dass sich Her­stel­ler zurück­zie­hen. Denn wenn die Kos­ten die Prei­se über­stei­gen, droht ein Ver­lust­ge­schäft – und das kann sich kein Unter­neh­men leisten.“

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Zahl des Monats  500  Juli 2022 

Die Prei­se für Ener­gie, Pro­duk­ti­on und Trans­port explo­die­ren. Die Con­tai­ner­fracht von Shang­hai nach Rot­ter­dam ist um 500 Pro­zent teu­rer als letz­tes Jahr. Die Erstat­tungs­prei­se für Gene­ri­ka aber blei­ben im Keller. 

Infla­ti­on trifft Gene­ri­ka-Bran­che: Bis zu 500 Pro­zent höhe­re Kos­ten – und kei­ne Chan­ce, die Prei­se zu erhöhen

Dass die Kos­ten für Pro­duk­ti­on, Ener­gie und Trans­port explo­si­ons­ar­tig anstei­gen, setzt die Gene­ri­ka-Unter­neh­men mas­siv unter Druck. Und es kann Aus­wir­kun­gen auf die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung haben. Davor warnt ein offe­ner Brief des euro­päi­schen Gene­ri­ka­ver­ban­des „Medi­ci­nes for Euro­pe“, der die­sen Monat an aus­ge­wähl­te EU-Kom­mis­sa­re, natio­na­le Gesund­heits­mi­nis­ter sowie Mit­glie­der des EU-Par­la­ments ver­schickt wurde.

Wäh­rend ande­re Bran­chen ihre Prei­se erhö­hen kön­nen, gilt das für Gene­ri­ka-Unter­neh­men nicht. Lässt sich ein Arz­nei­mit­tel nicht mehr wirt­schaft­lich pro­du­zie­ren, muss sich der Her­stel­ler aus der Ver­sor­gung zurück­zie­hen. Und das kann zu Eng­päs­sen führen.

In wel­chen Berei­chen stei­gen die Preise?

  • Ange­sichts gestör­ter Lie­fer­ket­ten und Lock­downs in Chi­na sind die Kos­ten für See­fracht mas­siv gestie­gen. Ein Con­tai­ner von Shang­hai nach Rot­ter­dam kos­te­te im Janu­ar 2022 über 500 Pro­zent mehr als vor der Pandemie.
  • Auch die Prei­se für Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al klet­tern in die Höhe. Ob Papier, Alu­mi­ni­um oder Kunst­stoff – das ist um bis zu 135 Pro­zent teu­rer als im Vor­jahr. Ein Anstieg, der zum Pro­blem wird für eine Bran­che, die jedes Jahr Mil­lio­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit Mil­li­ar­den von Tablet­ten ver­sorgt und dafür Falt­schach­teln, Plas­tik­b­lis­ter und Alu­mi­ni­um­fo­li­en benötigt.
  • Kri­tisch ist auch die Ent­wick­lung bei vie­len Aus­gangs- und Wirk­stof­fen. Der Preis für DMA etwa – das ist ein Aus­gangs­stoff für das Dia­be­tes-Mit­tel Met­formin – ist bin­nen eines Jah­res um 180 Pro­zent gestie­gen.  Der Fest­be­trag für Met­formin (der Betrag, den der Her­stel­ler von den Kran­ken­kas­sen erstat­tet bekommt) steigt aber nicht. Er ist seit zehn Jah­ren der­sel­be. Für die Drei-Monats-Packung bezah­len die Kas­sen dem Her­stel­ler 6,17 Euro – und da sind die Rabat­te, die die Kas­sen erhal­ten, noch nicht abgezogen.

Wie reagie­ren die Gene­ri­ka-Her­stel­ler auf die star­ke Inflation?

Dazu Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka: „Explo­die­ren­de Prei­se machen der­zeit den meis­ten Bran­chen zu schaf­fen. Gene­ri­ka-Her­stel­ler aber tref­fen sie beson­ders hart. War­um? But­ter, Fahr­rä­der oder Flug­rei­sen kön­nen teu­rer wer­den. Und als Ver­brau­cher und Ver­brau­che­rin­nen kön­nen wir die eine oder ande­re Anschaf­fung über­den­ken oder ver­schie­ben. Für lebens­wich­ti­ge Arz­nei­mit­tel gilt das aber nicht. Hier sind die Prei­se im Kel­ler­ni­veau ein­be­to­niert. Ist eine Pro­duk­ti­on nicht mehr wirt­schaft­lich, hat der Her­stel­ler kei­ne Wahl: Ent­we­der er macht Ver­lus­te oder er muss sich aus der Ver­sor­gung zurückzuziehen.“

Was muss gesche­hen, damit die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung trotz stei­gen­der Prei­se sta­bil bleibt?

„Wir brau­chen ein Preis­sys­tem, das atmet“, sagt Bork Brett­hau­er. „Es kann doch nicht sein, dass Prei­se zehn Jah­re lang gleich­blei­ben, wäh­rend die Kos­ten nach oben klet­tern. Instru­men­te wie Fest­be­trä­ge müs­sen an die Infla­ti­on ange­passt wer­den. Nur so kön­nen unse­re Unter­neh­men, die immer­hin 80 Pro­zent der Arz­nei­mit­tel bereit­stel­len, eine sta­bi­le Ver­sor­gung gewährleisten.“

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