Zahl des Monats  77  August 2022 

Die Infla­ti­on trifft die Gene­ri­ka-Bran­che beson­ders hart, denn Her­stel­ler blei­ben auf den Mehr­kos­ten sit­zen. Prei­se erhö­hen? Geht nicht. Und der Infla­ti­ons­aus­gleich kann das Pro­blem auch nicht abmildern.

Infla­ti­ons­aus­gleich bringt kei­ne Ent­las­tung, denn für 77 Pro­zent der Gene­ri­ka gilt er über­haupt nicht

Die Prei­se für Wirk­stof­fe, Pro­duk­ti­on und Fracht explo­die­ren – und das wird immer mehr zum Pro­blem für die Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land. Denn: Die Gene­ri­ka-Her­stel­ler kön­nen die stei­gen­den Kos­ten etwa für Fracht, Papier und Wirk­stof­fe nicht auf den Preis umle­gen. Zwar sieht das Gesetz eine Mög­lich­keit vor, die es den Her­stel­lern erlaubt, den Preis um den Wert der Infla­ti­on anzu­he­ben. Doch die­ser Infla­ti­ons­aus­gleich mil­dert das Pro­blem nicht. Für 77 Pro­zent der gene­ri­schen Arz­nei­mit­tel (PZN) gilt er nicht – und bei den übri­gen bil­det er nicht die rea­len Kos­ten­stei­ge­run­gen für die Indus­trie ab.

Dar­um trifft die Infla­ti­on die Gene­ri­ka-Her­stel­lern beson­ders hart:

  • Der Infla­ti­ons­aus­gleich gilt nur für einen klei­nen Teil der Gene­ri­ka. Denn er ist nur auf Arz­nei­mit­tel anwend­bar, die kei­nem Fest­be­trag unter­lie­gen. Da aber 77 Pro­zent der Gene­ri­ka (PZN) fest­be­trags­ge­re­gelt sind (d.h. es gibt einen Maxi­mal­be­trag, den die Kran­ken­kas­se dem Her­stel­ler erstat­tet), kön­nen die Unter­neh­men den Infla­ti­ons­aus­gleich nur für einen klei­nen Teil ihrer Arz­nei­mit­tel über­haupt gel­tend machen.
  • Der Infla­ti­ons­aus­gleich kann Preis­stei­ge­run­gen nur bedingt abmil­dern.  Denn er ist nicht auf die phar­ma­zeu­ti­sche Indus­trie zuge­schnit­ten. Er ori­en­tiert sich am Ver­brau­cher­preis­in­dex – d.h. er misst monat­lich die durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung aller Waren und Dienst­leis­tun­gen, die pri­va­te Haus­hal­te in Deutsch­land für Kon­sum­zwe­cke kau­fen. Für die Berech­nung des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes wird ein Waren­korb zugrun­de gelegt, der 650 Güter­ar­ten umfasst. Die­se sind alle­samt auf pri­va­te Bedar­fe – nicht aber auf Pos­ten wie Fracht und Papier aus­ge­legt, die bei der Pro­duk­ti­on von Arz­nei­mit­teln etwa für Logis­tik und Aus­gangs­stof­fe anfallen.
  • Gene­ri­ka-Her­stel­ler blei­ben auf den erhöh­ten Kos­ten sit­zen. Denn ein Netz aus Kos­ten­spar­in­stru­men­ten ver­hin­dert eine Anpas­sung der Prei­se bei Arz­nei­mit­teln. Fest­be­trä­ge, Rabatt­ver­trä­ge sowie das Preis­mo­ra­to­ri­um haben die­se auf Kel­ler­ni­veau ein­be­to­niert und machen – ver­schärft durch den poli­tisch gewoll­ten und extrem har­ten Wett­be­werb der Her­stel­ler unter­ein­an­der – die Pro­duk­ti­on eini­ger gene­ri­scher Arz­nei­mit­tel der­zeit unwirtschaftlich.

Was bedeu­tet das für die Generika-Hersteller?

Dazu Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka: „Wenn wir die Ver­sor­gung mit Gene­ri­ka sichern wol­len, müs­sen wir ange­sichts der explo­die­ren­den Kos­ten den Preis­druck lockern. Der Infla­ti­ons­aus­gleich reicht dafür bei wei­tem nicht aus. Ande­ren­falls muss uns klar sein, dass sich Her­stel­ler zurück­zie­hen. Denn wenn die Kos­ten die Prei­se über­stei­gen, droht ein Ver­lust­ge­schäft – und das kann sich kein Unter­neh­men leisten.“

Down­load: Zahl des Monat August 2022

Zahlen Generika
Zahl des Monats

Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

Zu den Zah­len des Monats 
Zahl des Monats  500  Juli 2022 

Die Prei­se für Ener­gie, Pro­duk­ti­on und Trans­port explo­die­ren. Die Con­tai­ner­fracht von Shang­hai nach Rot­ter­dam ist um 500 Pro­zent teu­rer als letz­tes Jahr. Die Erstat­tungs­prei­se für Gene­ri­ka aber blei­ben im Keller. 

Infla­ti­on trifft Gene­ri­ka-Bran­che: Bis zu 500 Pro­zent höhe­re Kos­ten – und kei­ne Chan­ce, die Prei­se zu erhöhen

Dass die Kos­ten für Pro­duk­ti­on, Ener­gie und Trans­port explo­si­ons­ar­tig anstei­gen, setzt die Gene­ri­ka-Unter­neh­men mas­siv unter Druck. Und es kann Aus­wir­kun­gen auf die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung haben. Davor warnt ein offe­ner Brief des euro­päi­schen Gene­ri­ka­ver­ban­des „Medi­ci­nes for Euro­pe“, der die­sen Monat an aus­ge­wähl­te EU-Kom­mis­sa­re, natio­na­le Gesund­heits­mi­nis­ter sowie Mit­glie­der des EU-Par­la­ments ver­schickt wurde.

Wäh­rend ande­re Bran­chen ihre Prei­se erhö­hen kön­nen, gilt das für Gene­ri­ka-Unter­neh­men nicht. Lässt sich ein Arz­nei­mit­tel nicht mehr wirt­schaft­lich pro­du­zie­ren, muss sich der Her­stel­ler aus der Ver­sor­gung zurück­zie­hen. Und das kann zu Eng­päs­sen führen.

In wel­chen Berei­chen stei­gen die Preise?

  • Ange­sichts gestör­ter Lie­fer­ket­ten und Lock­downs in Chi­na sind die Kos­ten für See­fracht mas­siv gestie­gen. Ein Con­tai­ner von Shang­hai nach Rot­ter­dam kos­te­te im Janu­ar 2022 über 500 Pro­zent mehr als vor der Pandemie.
  • Auch die Prei­se für Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al klet­tern in die Höhe. Ob Papier, Alu­mi­ni­um oder Kunst­stoff – das ist um bis zu 135 Pro­zent teu­rer als im Vor­jahr. Ein Anstieg, der zum Pro­blem wird für eine Bran­che, die jedes Jahr Mil­lio­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit Mil­li­ar­den von Tablet­ten ver­sorgt und dafür Falt­schach­teln, Plas­tik­b­lis­ter und Alu­mi­ni­um­fo­li­en benötigt.
  • Kri­tisch ist auch die Ent­wick­lung bei vie­len Aus­gangs- und Wirk­stof­fen. Der Preis für DMA etwa – das ist ein Aus­gangs­stoff für das Dia­be­tes-Mit­tel Met­formin – ist bin­nen eines Jah­res um 180 Pro­zent gestie­gen.  Der Fest­be­trag für Met­formin (der Betrag, den der Her­stel­ler von den Kran­ken­kas­sen erstat­tet bekommt) steigt aber nicht. Er ist seit zehn Jah­ren der­sel­be. Für die Drei-Monats-Packung bezah­len die Kas­sen dem Her­stel­ler 6,17 Euro – und da sind die Rabat­te, die die Kas­sen erhal­ten, noch nicht abgezogen.

Wie reagie­ren die Gene­ri­ka-Her­stel­ler auf die star­ke Inflation?

Dazu Bork Brett­hau­er, Geschäfts­füh­rer von Pro Gene­ri­ka: „Explo­die­ren­de Prei­se machen der­zeit den meis­ten Bran­chen zu schaf­fen. Gene­ri­ka-Her­stel­ler aber tref­fen sie beson­ders hart. War­um? But­ter, Fahr­rä­der oder Flug­rei­sen kön­nen teu­rer wer­den. Und als Ver­brau­cher und Ver­brau­che­rin­nen kön­nen wir die eine oder ande­re Anschaf­fung über­den­ken oder ver­schie­ben. Für lebens­wich­ti­ge Arz­nei­mit­tel gilt das aber nicht. Hier sind die Prei­se im Kel­ler­ni­veau ein­be­to­niert. Ist eine Pro­duk­ti­on nicht mehr wirt­schaft­lich, hat der Her­stel­ler kei­ne Wahl: Ent­we­der er macht Ver­lus­te oder er muss sich aus der Ver­sor­gung zurückzuziehen.“

Was muss gesche­hen, damit die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung trotz stei­gen­der Prei­se sta­bil bleibt?

„Wir brau­chen ein Preis­sys­tem, das atmet“, sagt Bork Brett­hau­er. „Es kann doch nicht sein, dass Prei­se zehn Jah­re lang gleich­blei­ben, wäh­rend die Kos­ten nach oben klet­tern. Instru­men­te wie Fest­be­trä­ge müs­sen an die Infla­ti­on ange­passt wer­den. Nur so kön­nen unse­re Unter­neh­men, die immer­hin 80 Pro­zent der Arz­nei­mit­tel bereit­stel­len, eine sta­bi­le Ver­sor­gung gewährleisten.“

Down­load: Zahl des Monat Juli 2022

Zahlen Generika
Zahl des Monats

Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

Zu den Zah­len des Monats 
Share On Facebook
Share On Twitter
Share On Linkedin
Contact us