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Q&A: Lie­fer­eng­päs­se bei Fie­ber­säf­ten für Kinder

Bei Fie­ber­säf­ten mit den Wirk­stof­fen Par­acet­amol und Ibu­profen kommt es der­zeit immer wie­der zu Lie­fer­eng­päs­sen. Was sind die Grün­de? Wie lan­ge wird der Man­gel dau­ern? Und was ist zu tun, um das Pro­blem zu lösen? Fra­gen wie die­se beant­wor­ten wir hier. 

Was sind die Ursa­chen der Eng­päs­se bei Fiebersaft?

Wir beob­ach­ten auf dem Markt eine mas­siv gestie­ge­ne und nicht plan­ba­re Nach­fra­ge. Die Anzahl der Bestel­lun­gen bei den Unter­neh­men ist bis zu acht­mal so hoch wie sonst zu die­ser Jahreszeit.

Die Lage wird ver­schärft durch Eng­päs­se bei der Beschaf­fung etwa von Glas­fläsch­chen, Fil­tern, Rei­ni­gungs­mit­teln oder auch Wirk­stof­fen. Hin­zu kommt eine teils mas­si­ve Personalknappheit.

Dar­über hin­aus gibt es noch ein grund­sätz­li­ches Pro­blem, das sich über Jah­re auf­ge­baut hat: Da die Prei­se für Fie­ber­säf­te – wie für vie­le ande­re Gene­ri­ka auch – seit Jah­ren auf nied­rigs­tem Niveau fest­zemen­tiert sind, ist die Pro­duk­ti­on ange­sichts der seit Jah­ren stei­gen­den Kos­ten für vie­le Her­stel­ler nicht mehr wirt­schaft­lich. Immer mehr Gene­rikaun­ter­neh­men haben die Pro­duk­ti­on in den letz­ten Jah­ren ein­ge­stellt und sich aus der Ver­sor­gung zurückgezogen.

Die­se Markt­ver­en­gung sehen wir etwa in sehr dra­ma­ti­scher Form bei den Par­acet­amol-Fie­ber­säf­ten. Waren es vor zwölf Jah­ren noch 11 Anbie­ter, die den Markt ver­sorg­ten, ist jetzt nur noch ein nen­nens­wer­ter Anbie­ter übrig. Erst im Mai 2022 war der vor­letz­te Haupt­her­stel­ler aus Wirt­schaft­lich­keits­grün­den aus der Pro­duk­ti­on von Fie­ber­saft ausgestiegen.

Bork Brett­hau­er

Geschäfts­füh­rer Pro Generika

Rasant stei­gen­de Wirk­stoff- und Pro­duk­ti­ons­kos­ten bei ein­ge­fro­re­nen Prei­sen machen die Pro­duk­ti­on von Arz­nei­mit­teln wie Fie­ber­säf­ten zum Verlustgeschäft.

Was tun die Unter­neh­men gegen die Lie­fer­eng­päs­se bei den Fiebersäften?

Unse­re Unter­neh­men arbei­ten mit Hoch­druck dar­an, so schnell wie mög­lich wie­der kom­plett lie­fer­fä­hig zu sein. Wo immer mög­lich bau­en sie die Pro­duk­ti­on von Fie­ber­säf­ten aus, um den gestie­ge­nen Bedarf zu decken. Eng­päs­se in der Lie­fer­ket­te ver­su­chen sie zu über­brü­cken und orga­ni­sie­ren zusätz­li­che Trans­por­te. Die dabei ent­ste­hen­den Mehr­kos­ten neh­men sie in Kauf, denn sie wol­len die Patient:innen versorgen.

Ab wann ist Fie­ber­saft wie­der unein­ge­schränkt lieferbar?

Dar­über lässt sich der­zeit kei­ne Aus­sa­gen machen, da u.a. nicht vor­her­seh­bar ist, wie sich die Nach­fra­ge – auch ange­sichts mög­li­cher­wei­se im Herbst wei­ter anstei­gen­der Coro­na-Zah­len – ent­wi­ckelt. Zum aktu­el­len Stand der ein­ge­schränk­ten Ver­füg­bar­keit von Par­acet­amol- und Ibu­profen-hal­ti­gen Fie­ber­säf­ten für Kin­der infor­miert das Bun­des­amt für Arz­nei­mit­tel und Medizinprodukte.

Was wür­de das Pro­blem der Eng­päs­se bei Arz­nei­mit­teln lösen?

Die Kos­ten, die seit Jah­ren stei­gen und in den letz­ten Mona­ten gera­de­zu explo­diert sind, haben die Pro­duk­ti­on der Fie­ber­säf­te zum Ver­lust­ge­schäft wer­den las­sen. Es ist des­halb drin­gend not­wen­dig, die Kos­ten­spar­in­stru­men­te zu lockern und etwa den Fest­be­trag zu erhö­hen — er liegt seit zehn Jah­ren auf dem­sel­ben Niveau. Für eine siche­re Ver­sor­gung braucht es ein Preis­sys­tem, das atmet und das es Her­stel­lern gestat­tet, Kos­ten­stei­ge­run­gen abzufedern.

Außer­dem muss es das Ziel sein, dass wie­der mehr Her­stel­ler in die Pro­duk­ti­on ein­stei­gen. Erst wenn genug Gene­ri­ka-Unter­neh­men an der Ver­sor­gung teil­neh­men, kann das Aus­schei­den eines Markt­teil­neh­mers bzw. eine erhöh­te Nach­fra­ge auch vom Markt abge­fan­gen werden.

Dafür braucht es Anrei­ze und ande­re Rah­men­be­din­gun­gen für die Gene­ri­ka-Ver­sor­gung. Die­se zu ändern ist Auf­ga­be der Poli­tik. Sie muss end­lich weg vom Haupt­sa­che-Bil­lig-Prin­zip bei Gene­ri­ka und hin zu einem Sys­tem, das Her­stel­ler den Auf­bau von resi­li­en­ten Lie­fer­ket­ten und einer sta­bi­len Pro­duk­ti­on gestat­tet. Für 6 Cent am Tag – so wenig erhält ein Her­stel­ler der­zeit für die Tages­do­sis eines Gene­ri­kums – kann Ver­sor­gung zwar bil­lig sein, nicht aber sta­bil genug, um Kri­sen wie die aktu­el­le abzufangen.

Pro Generika Geschäftsstelle

Bork Brett­hau­er

Geschäfts­füh­rer Pro Generika 

Immer mehr Her­stel­ler müs­sen aus der Ver­sor­gung aus­stei­gen, weil die Pro­duk­ti­on zum Ver­lust­ge­schäft wird. Eng­päs­se kön­nen die Fol­ge sein. Es braucht jetzt Anrei­ze, damit wie­der mehr Unter­neh­men ein­stei­gen. Dafür müs­sen wir Schluss machen mit dem Kos­ten­druck auf Gene­ri­ka – vor allem bei kri­ti­schen Arzneimitteln.

 Stand: 03.08.2022

Groß­teil der Ver­sor­gung für Bruch­teil der Kosten

Wäh­rend der Anteil von Gene­ri­ka an der Ver­sor­gung stän­dig steigt, sinkt ihr Anteil an den Kos­ten. Das stei­gert das Risi­ko für Lieferengpässe.

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