Gesundheit für alle

Milliarden Tabletten für Millionen von Menschen: Die großen Volkskrankheiten werden in Deutschland fast ausschließlich mit Generika behandelt. So kann jeder und jede versorgt werden, so wird Gesundheit für alle bezahlbar. Wie das System funktioniert, wer davon abhängt – und was daran riskant ist.

Ein Leben mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung bedeutet für viele einen Alltag mit Tabletten. Mit vielen Tabletten. Da ist zunächst mal ein Blutdrucksenker. Es folgt ein Cholesterin-Senker. Dann ein Blutverdünner. Noch ein Blutdrucksenker. Schließlich noch zwei, manchmal drei Tabletten gegen den Diabetes.

Viele Menschen nehmen das jeden Tag. Manche ein Leben lang.

Die meisten davon sind Generika. Arzneimittel also, deren Patentschutz abgelaufen ist und die günstiger sind als die Originale. Viel günstiger.

Dank ihnen können sämtliche Herz-Kreislauf-Erkrankte behandelt werden. Und Millionen anderer Patientinnen und Patienten auch. Und das zu sehr geringen Kosten.

Ein Generikum kostet meist nur einen Bruchteil vom einstigen Originalprodukt. Für die sechs Tabletten, die beispielsweise ein typischer Herz-Kreislauf-Patient täglich einnimmt, erhält ein Hersteller nur 20 Cent. Pro Tag und für alle zusammen.

Vier von fünf Tagesdosen – die Menge also, die ein durchschnittlicher Patient pro Tag einnimmt – sind in Deutschland Generika. Es gibt sie als Blutdrucksenker, Chemotherapien, Narkosemittel – und das für nur 6 Prozent der realen Kosten, die die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr für Arzneimittel aufwenden.

Im Einsatz gegen die großen Volksleiden

Sodbrennen, Bluthochdruck, Arterienverkalkung:
Einige Erkrankungen werden fast ausschließlich mit Generika behandelt.

Besonders deutlich wird die Bedeutung von Generika beim Blick auf die großen Volkskrankheiten. Millionenfach verschrieben machen sie es möglich, dass alle Menschen in Deutschland Zugang zu den Therapien haben, die sie benötigen.

Dabei gilt: Je mehr Menschen von einem Krankheitsbild betroffen sind, desto größer ist der Versorgungsanteil von Generika.

Ob Arteriosklerose, Refluxkrankheit wie Sodbrennen oder zu hoher Blutdruck: Die Patientinnen und Patienten der größten Krankheitsgruppen werden zu 90 Prozent und mehr generisch behandelt.

Milliarden Tabletten für Millionen Menschen

Die großen Volkskrankheiten sind oft chronisch. Betroffene müssen täglich Arzneimittel nehmen. Dafür braucht es Unmengen an Tabletten, Säften und Injektabilia. Es braucht Unmengen an Generika.

 

99 Prozent Generika

bei säurebedingten Erkrankungen

Menschen, die etwa an Sodbrennen, einer Refluxkrankheit oder einem Magen-Darm-Geschwür litten, bekamen 2021 mehr als 3,5 Milliarden Tagesdosen verschrieben.
So gut wie alle waren Generika.

98 Prozent Generika

bei Lipidsenkern

3 Milliarden Tagesdosen wurden für Menschen mit einer Lipidstoffwechselstörung benötigt. Die zeigt sich etwa an zu hohen Blutfettwerten oder einem erhöhten Cholesterinspiegel.
Ihnen halfen fast durchweg Generika.

83 Prozent Generika

bei Bluthochdruck

Die arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, jeder und jede dritte Deutsche ist betroffen. Dafür waren 2021 fast 2 Milliarden Tagesdosen nötig.
Die meisten waren Generika.

Der Kampf gegen Volkskrankheit Nr. 1

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht es um Millionen Menschen. Ihre Versorgung ist eine Mammut-Aufgabe. Sie wird zu 96 Prozent von Generika gestemmt.

 

Keine Patientengruppe ist so groß wie die der Herz-Kreislauf-Erkrankten. Zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Sie bekommen Herzrhythmusstörungen oder die koronare Herzkrankheit. Einige von ihnen trifft gar ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Meist sind es ältere Menschen, die behandelt werden müssen. Denn: Die Häufigkeit dieser Erkrankungen nimmt mit dem Lebensalter zu: Bei den unter 30-Jährigen sind weniger als zwei Prozent betroffen, bei den 60- bis 69-Jährigen mehr als 20 Prozent und bei Menschen ab 80 Jahren sogar 45 Prozent.

Insgesamt 18 Milliarden Tagesdosen von Herz-Kreislauf-Arzneimitteln werden pro Jahr benötigt – und fast ausschließlich von Generika-Herstellern produziert.

Es ist eine beachtliche Menge an Arzneimitteln, die es zur Behandlung braucht. Zudem treten Erkrankungen des kardiovaskulären Systems häufig kombiniert oder in Verbindung mit anderen Leiden auf. Bei zwei von drei Betroffenen ist die Hypertonie auf Übergewicht zurückzuführen. Oft resultieren daraus ein gestörter Kohlenhydratstoffwechsel und erhöhte Blutfettwerte. Nicht selten kommt noch ein Diabetes Typ-2 hinzu.

Oft wird nicht nur eine Erkrankung behandelt, sondern gleich mehrere. Betroffene nehmen dann 6 Tabletten und mehr – jeden Tag.

So viele Tabletten nimmt ein
typischer Herzpatient ein!

PRO TAG

PRO WOCHE

PRO MONAT

Zwei Blutdrucksenker nimmt der typische Herz-Patient jeden Tag. Dazu einen Blutverdünner, ein Mittel zum Senken des Cholesterinwertes und zwei Tabletten gegen den Diabetes. Das Besondere an diesen Tabletten: Sie sind, da es sich um Generika handelt, sehr günstig.

Gerade mal 20 Cent erhalten Generika-Hersteller für die 6 Tabletten, die ein Herz-Kreislauf-Patient pro Tag benötigt.

Große Mengen zu geringen Kosten – so lautet seit jeher das Versprechen der Generika-Hersteller. Doch seit ein paar Jahren hat es sich gewandelt, ist vom Versprechen zum Dogma geworden. Ein Dogma, das eine gefährliche Entwicklung in Gang gesetzt hat.

Immer mehr Versorgung für immer weniger Geld – wie lange geht das gut?

Seit Jahren zeigt sich in der Arzneimittelversorgung eine eindeutige Tendenz. Generika-Hersteller stellen immer größere Anteile der Versorgung bereit, erhalten dafür aber immer weniger Geld. Das betrifft vor allem die Arzneimittel, die wir im Kampf gegen die großen Volkskrankheiten benötigen.

Hier ist der Kostendruck besonders hoch. Nur wer den Krankenkassen großen Mengen an Arzneimitteln zu besonders hohen Rabatten bietet, hat überhaupt eine Chance, an der Versorgung teilnehmen zu dürfen.

Eine Entwicklung, die Folgen hat. So zeigt die Pro Generika-Wirkstoffstudie aus dem Jahr 2020, wie sich die Produktion der benötigten Wirkstoffe immer weiter nach Asien verlagert hat. China und Indien werden immer relevanter – vor allem für großvolumige Wirkstoffe, wie eben die Wirkstoffe zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Hier werden Herz-Kreislauf-Wirkstoffe produziert

Wie sich die Herstellungsstätten der in Europa benötigten Wirkstoffe über den Globus verteilen

Von den Wirkstoffen zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden gerade mal 28 Prozent hier produziert.

Der weitaus größere Teil der betreffenden Wirkstoffhersteller sitzt in Asien.

49 Prozent haben ihren Sitz in Indien.

14 Prozent sitzen in China.

Blutdrucksenker im Fokus:
Ramipril und Candesartan

Millionen von Blutdruck-Patientinnen und -Patienten benötigen sie täglich. Ihre Wirkstoffe stammen fast komplett aus Asien.

Blutdrucksenker Ramipril:
80 Prozent des Wirkstoffes werden in Indien hergestellt.

Vom Blutdrucksenker Ramipril – einem ACE-Hemmer, der zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt wird – werden jährlich allein in Deutschland gut 4,5 Milliarden Tagesdosen verordnet. Die Menge des Wirkstoffes, die ganz Europa pro Jahr benötigte, bezifferte die Pro Generika-Wirkstoffstudie im Jahr 2020 auf 46 Tonnen.

So groß der Bedarf, so hoch die Abhängigkeit: 80 Prozent dieses Wirkstoffes stammen aus Indien, 10 Prozent aus China und nur 10 Prozent werden noch in Europa produziert.

Ein Grund: der massive Kostendruck. Die Krankenkassen bezahlen für die Tagesdosis Ramipril nur 1 Cent. Und da sind die Rabatte, die die Krankenkassen mit dem Hersteller vereinbaren, noch nicht einmal abgezogen.

Blutdrucksenker Candesartan:
90 Prozent stammen aus China

Von Candesartan – einem Sartan, das ebenfalls zum Senken des Blutdrucks eingesetzt wird – werden inzwischen jährlich allein in Deutschland gut 3,5 Milliarden Tagesdosen verordnet. Die Menge des Wirkstoffes, die ganz Europa pro Jahr verbraucht, liegt laut Wirkstoffstudie von 2020 bei rund 70 Tonnen.

Bei Candesartan ist die Abhängigkeit von asiatischen Wirkstoffherstellern noch größer. Bloß noch 5 Prozent werden in Europa produziert. 90 Prozent des Wirkstoffes für Candesartan stammen aus China. Fünf Prozent werden in indischen Werken gefertigt.

Auch hier ist der Kostendruck hoch: Für die Tagesdosis Candesartan erhält ein Hersteller – ohne Abzug der Rabatte – nur 5 Cent.

 

Generika stemmen die Hauptlast der Versorgung – doch wie stabil ist diese?

Generika stemmen 81 Prozent der Arzneimittelversorgung. Bei den großen Volkskrankheiten, für die besonders große Mengen benötigt werden, ist der Versorgungsanteil noch wesentlich höher.

Damit ermöglichen sie allen Patientinnen und Patienten in Deutschland genau die Therapie, die sie brauchen – und sorgen dafür, dass sie günstig ist.

Jetzt aber droht das System zu kippen. Der Kostendruck der vergangenen Jahre hat die Versorgung instabiler gemacht. Immer mehr Wirkstoffe – besonders die großvolumigen – werden verstärkt in Asien produziert. Das hat zu einer gefährlichen Abhängigkeit von Ländern wie Indien und China geführt.

Gepaart mit einer massiven Marktverengung auf Herstellerseite, die sich auf allen Ebenen der Lieferkette vollzieht, wird diese mehr und mehr zum Problem für die Versorgungssicherheit. Lieferengpässe sind die Folge, die sich zuletzt beim Brustkrebsmittel Tamoxifen beinahe zu einem dramatischen Versorgungsengpass ausgewachsen hätten.

Die Politik darf das nicht länger hinnehmen. Sie muss die Rahmenbedingungen ändern, damit sich unsere Versorgung wieder stabiler gestaltet. Damit auch die Grundversorgung wieder den Wert bekommt, den sie für Millionen von Patientinnen und Patienten hat.

 

 

Lesen Sie weiter:

Die Lieferkette eines Blutdrucksenkers erstreckt sich über den gesamten Globus. Eine Erschütterung genügt, um die Versorgung zu gefährden. Was sie stabiler machen und was die Politik dafür tun kann, erklären wir in unserem Lieferketten-Special.

Hier geht es zum Lieferketten-Special:

 

 

Globale Kettenreaktion

Die weltweiten Lieferketten bei Arzneimitteln können Störungen kaum noch verkraften. Das gefährdet das Wohl von Millionen Menschen. Der Fehler liegt im System.