Zahl des Monats  68 %  August 2021 

Gesund­heit hat Prio­ri­tät für die Deut­schen. Für 68% spielt sie bei ihrer Wahl­ent­schei­dung eine wich­ti­ge Rol­le. Eine sta­bi­le Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung gehört dazu. Aber wel­che Par­tei plant was?

Mehr Sta­bi­li­tät bei der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung: Das pla­nen die Parteien!

Zwei Drit­tel (68 Pro­zent) der Deut­schen mes­sen der Gesund­heits­po­li­tik eine gro­ße Bedeu­tung bei, wenn es um ihre Stim­me bei der Bun­des­tags­wahl geht. Das hat eine vom Apo­the­ker­ver­band ABDA in die­sem Monat ver­öf­fent­lich­ten Umfra­ge erge­ben. Zur Gesund­heits­po­li­tik gehört auch eine nach­hal­ti­ge Arz­nei­mit­tel­po­li­tik. Das der­zeit größ­te Pro­blem bei Gene­ri­ka: Da das Gesund­heits­sys­tem zu wenig Geld dafür aus­gibt, ist die Ver­sor­gungs­si­cher­heit ins Wan­ken gera­ten. Wer­den die Par­tei­en das Pro­blem nach der Wahl ange­hen? Und wenn ja, wie?

Wir haben die Wahl­pro­gram­me durch­ge­schaut – und kommentiert:

  • Die Grü­nen ver­spre­chen: „Wir geben Gesund­heit und Pfle­ge einen neu­en Wert“. Sie möch­ten die Abhän­gig­keit von der Pro­duk­ti­on außer­halb Euro­pas ver­rin­gern – und zwar am liebs­ten in Koope­ra­ti­on mit den euro­päi­schen Part­nern. Wir sagen: Das ist rich­tig – braucht aber einen lan­gen Atem. Es muss aber jetzt schon dar­um gehen, Lie­fer­ket­ten resi­li­en­ter zu machen und da kann man auch natio­nal und kurz­fris­tig ansetzen.
  • Die CDU möch­te Deutsch­land wie­der zur „Apo­the­ke der Welt“ machen, for­dert eine „Sou­ve­rä­ni­täts­of­fen­si­ve bei der Medi­ka­men­ten­pro­duk­ti­on“ und will die Pro­duk­ti­on nach Deutsch­land bzw. Euro­pa zurück­ver­la­gern. Als Leh­re aus der Coro­na-Pan­de­mie legt sie den Fokus auf „ver­sor­gungs­re­le­van­te Arz­nei­mit­tel“. Dafür soll es künf­tig min­des­tens einen Her­stel­ler in Euro­pa geben und das Ver­ga­be­recht geän­dert wer­den. Wir fin­den: Gute Idee, die Pro­duk­ti­on wich­ti­ger Arz­nei­mit­tel in Euro­pa zu stär­ken. Der Weg über das Ver­ga­be­recht kann hel­fen und kann natio­nal ange­gan­gen werden.
  • Die SPD benennt treff­si­cher die Schwach­stel­len, die die Coro­na-Pan­de­mie in der Gene­ri­ka-Ver­sor­gung offen­ge­legt hat: Abwan­de­rung der Arz­nei­mit­tel­pro­duk­ti­on, Abhän­gig­keit von aus­län­di­scher Pro­duk­ti­on, Lie­fer­eng­päs­se.  Unse­re Mei­nung: Die Ana­ly­se trifft den Nagel auf den Kopf! Was aber lei­der fehlt, sind kon­kre­te Vorschläge.
  • Die FDP sagt: „Eng­päs­se müs­sen ver­mie­den und bekämpft wer­den“. Eine Lösung ist die Rück­ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on – etwa durch Inves­ti­ti­ons­be­zu­schus­sun­gen. Wir fin­den auch: Dass vie­le Wirk­stof­fe außer­halb Euro­pas her­ge­stellt wer­den, macht uns abhän­gig. Die Lie­fer­ket­ten sind fra­gil, Eng­päs­se nicht sel­ten die Fol­ge. Damit Her­stel­ler wie­der in Euro­pa pro­du­zie­ren kön­nen, müs­sen wir über Inves­ti­ti­ons­an­rei­ze für Pro­duk­ti­ons­stät­ten spre­chen, klar. Aber auch dar­über, wie viel eine Pro­duk­ti­on in Euro­pa denn mehr kos­tet – statt immer neue Ein­spa­run­gen vorzunehmen.
  • Auch Die Lin­ke fragt sich, wie die Ver­sor­gung mit Arz­nei­mit­teln lang­fris­tig zu sichern ist. Ein Lösungs­an­satz: die Ver­bes­se­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für die Arz­nei­mit­tel-Pro­duk­ti­on in Deutsch­land. Rabatt­ver­trä­ge möch­te sie abschaf­fen. Unse­re Mei­nung: Die völ­li­ge Abschaf­fung fin­det poli­tisch sicher kei­ne Mehr­heit. Aber man muss sie zumin­dest wei­ter­ent­wi­ckeln, dass sie nicht län­ger nur auf den nied­rigs­ten Preis zie­len, son­dern Inves­ti­tio­nen von Unter­neh­men in resi­li­en­te­re Lie­fer­ket­ten und umwelt­freund­li­che­re Pro­duk­ti­on auch ver­gü­tet werden.

Wie aber kann die Ver­sor­gung mit den täg­lich benö­tig­ten Arz­nei­mit­teln dau­er­haft gesi­chert wer­den? Unse­re Vor­schlä­ge fin­den Sie hier

Down­load: Zahl des Monats August 2021

Zahl des Monats
Zahl des Monats

Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

Zu den Zah­len des Monats 
Zahl des Monats  20 %  Juli 2021 

Wer in Indi­en eine neue Wirk­stoff­pro­duk­ti­on errich­tet, erhält bis zu 20 Pro­zent des jähr­li­chen Umsat­zes vom Staat – sechs Jah­re lang.

Indi­en unter­stützt hei­mi­sche Arzneimittelwirkstoff-Produktion

Für mehr Unab­hän­gig­keit bei der Arz­nei­mit­tel­pro­duk­ti­on braucht es ent­schlos­se­ne poli­ti­sche Schrit­te. Das macht uns Indi­en jetzt vor. Wer hier eine neue Pro­duk­ti­ons­stät­te für kri­ti­sche Wirk­stof­fe errich­tet, erhält sechs Jah­re lang Inves­ti­ti­ons­zu­schüs­se von bis zu 20 Pro­zent des jähr­li­chen Umsatzes.

  • Das Wirt­schafts­för­der­pro­gramm „Pro­duc­tion Link Incen­ti­ve (PLI) Sche­me“ umfasst die För­de­rung von 53 kri­ti­schen Wirk­stof­fen bzw. deren Aus­gangs­stof­fe und Vor­stu­fen. Eine Viel­zahl davon sind Gene­ri­ka — etwas das Schmerz­mit­tel Par­acet­amol, das Anti­dia­be­ti­kum Met­formin oder das Reser­ve­an­ti­bio­ti­kum Pipe­r­a­cil­lin Tazobactam.
  • Geför­dert wer­den Pro­jek­te, bei denen Anla­gen kom­plett neu errich­tet wer­den („Green­field-Ansatz“). Ers­te Ver­ga­ben erfolg­ten bereits.
  • Das Gesamt­vo­lu­men der Inves­ti­ti­ons­maß­nah­me beträgt umge­rech­net rund 788 Mil­lio­nen Euro. Vor­aus­set­zung sind eige­ne Inves­ti­tio­nen und eine jähr­li­che Min­dest­pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät der Hersteller.

Das staat­li­che Inves­ti­ti­ons­pro­gramm soll die Ver­sor­gung mit kri­ti­schen Arz­nei­mit­teln in Indi­en lang­fris­tig sichern. Ziel ist mehr Unab­hän­gig­keit sowie der Auf­bau der dafür not­wen­di­gen Infra­struk­tur und von neu­en wett­be­werbs­fä­hi­gen Kapa­zi­tä­ten. Von der­zeit rund 70 Pro­zent soll die Import-Quo­te kri­ti­scher Wirk­stof­fe auf 43 Pro­zent sin­ken, so die Rating Agen­tur India Ratings and Rese­arch (Ind-Ra).

Ende der Abhängigkeit

Schon jetzt ist die phar­ma­zeu­ti­sche Indus­trie Indi­ens die dritt­größ­te der Welt, die in mehr als 200 Län­der Arz­nei­mit­tel expor­tiert. Den­noch ist der asia­ti­sche Staat, wie vie­le ande­re Län­der auch, abhän­gig von der Ein­fuhr wich­ti­ger Aus­gangs­stof­fe aus Chi­na. Hin­zu kommt, dass die Wirk­stoff­pro­duk­ti­on in Chi­na der­zeit noch­mals spür­bar güns­ti­ger ist, als die in Indien.

Mehr hei­mi­sche Pro­duk­ti­on für ver­sor­gungs­kri­ti­sche Arz­nei­mit­tel ist auch erklär­tes Ziel der Bun­des­re­gie­rung. Zuletzt leg­te die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on eine Arz­nei­mit­tel­stra­te­gie für Euro­pa vor, um die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung nach­hal­tig zu sichern. Dazu gehört auch die Stär­kung der phar­ma­zeu­ti­schen Pro­duk­ti­on in der EU.

Muti­ge Schrit­te sind nötig

Das Bei­spiel Indi­en zeigt, dass muti­ge Maß­nah­men nötig sind. Das gilt vor allem für Euro­pa, denn in den letz­ten Jah­ren ist die Abhän­gig­keit von Asi­en ste­tig gewach­sen: Zwei Drit­tel unse­rer Wirk­stof­fe kom­men bereits von dort. Wer die­sen Pro­zess stop­pen will, soll­te das jetzt tun. Denn Initia­ti­ven wie die indi­sche wer­den den Pro­duk­ti­ons­stand­ort Asi­en wei­ter stärken.

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