Führen Rabattverträge zu Lieferengpässen?

Erstmals haben Forscher den Zusammenhang zwischen einem Rabattvertrag im Exklusivmodell und der Lieferfähigkeit von Arzneimitteln wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis:

Rabattverträge mit einem einzigen Hersteller führen häufiger zu versorgungskritischen Situationen als Verträge, die mit mehreren Unternehmen geschlossen werden.

Die Anzahl der nicht verfügbaren Rabattarzneimittel hat sich innerhalb eines Jahres (zwischen 2017 und 2018) von 4,7 Millionen auf 9,3 Millionen Packungen verdoppelt, wie eine Untersuchung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI)der ABDA ergab, die alle Rabattarzneimittel auf ihre Verfügbarkeit in den vergangenen Jahren analysiert hat.

Die aktuelle Studie des IGES-Instituts lässt nun einen weiteren Schluss zu: Dass ein Apotheker ein anderes als dasRabattarzneimittel abgegeben musste, kommt immer dann besonders oft vor, wenn der Rabattvertrag im Exklusivmodell geschlossen wurde. Konkret stammten 60 Prozent der Verordnungen, die vom Apotheker mit dem Hinweis auf eine Lieferunfähigkeit abgegeben wurden, ursprünglich aus Rabattverträgen mit nur einem Hersteller. Bei einigen Wirkstoffen lag der Anteil sogar bei knapp 90 Prozent. Weitere Ergebnisse lesen Sie ausführlich in der vorliegenden Untersuchung!

Darum geht's!

Vertragsarten

Engpässe

Krankenkasse

Was sind Rabattverträge?

In den Rabattverträgen legen die Krankenkassen fest, welche Hersteller ihre Versicherten mit den einzelnen Wirkstoffenversorgen. Diese Versorgung können die Kassen entweder auf mehrere Schultern verteilen (Mehrpartnermodell) oder bloß einem Unternehmen übertragen (Exklusivmodell). Letztere sind für dieKassen aus Kostengründen interessanter, aber – und genau das zeigt dieIGES-Untersuchung – auch fragiler. Exklusivverträge wurden im Betrachtungszeitraum verstärkt von Kassenarten wie der Ersatzkrankenkassen und der AOK abgeschlossen, andere Kassenarten setzten hingegen auf Rabattverträge mit mehreren Herstellern. Wie Rabattverträge im Exklusivmodell Lieferengpässe auslösen, erfahren Sie anhand zahlreicher Beispiele in der vorliegenden Analyse.

9.3
Mio. Packungen Rabattarzneimittel waren 2018 nicht lieferbar
60
der Verordnungen mit Lieferproblemen stammen aus Exklusivmodell

Wie können Lieferengpässe verhindert werden?

Die Politik hat bereits erste gute Vorschläge zur Lösung von Lieferengpässen gemacht. Will man aber das Thema grundsätzlich angehen, ist eine Justierung des Rabattvertragssystems unabdingbar. Rabattverträge im Exklusivmodell begünstigen die Entstehung von Versorgungsengpässen. Denn: Ist nur ein Unternehmen für die Versorgung von Millionen Patienten verantwortlich, führt das zu einer starken Marktdominanz. Fällt der Hersteller aus, weil er beispielsweiseeinen Wirkstoff nicht auf dem Weltmarkt bekommt oder es einen Zwischenfall imeigenen Werk gibt, können andere Produzenten die Versorgung nicht unverzüglich auffangen.

Für eine gute und sichere Arzneimittelversorgung in Europa

Bork Bretthauer

Geschäftsführer Pro Generika

In der Diskussion um Lieferengpässe wird die Zahl der Nichtverfügbarkeit oft klein geredet. Einige Krankenkassen geben an, dass der Anteil der nicht verfügbaren Wirkstoffe bei gerade einmal 0,6 Prozent liege. Unsere Studie aber zeigt, dass es besonders in Exklusivverträgen zu mehr Lieferausfällen kommt.“

An welchen Stellschrauben müssen wir drehen?

Wirkstoff-Lieferengpässe haben vielfältige Ursachen. Neben unterbrochenen Lieferketten sind die Rabattverträge im Exklusivmodell, die die Krankenkassen mit Arzneimittelherstellern abschließen, ein wesentlicher Grund. Dieser Zusammenhang wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht und bestätigt.
Was Rabattverträge im Exklusivmodell konkret bedeuten, welche Arzneimittel verstärkt betroffen sind und wie die Versorgung gesichert werden kann - all das erfahren Sie in der von Pro Generika in Auftrag gegebenen Untersuchung des IGES Instituts!

Lesen SIe die gesamte Studie!

Die Studie des IGES Instituts hat erstmals den Zusammenhang zwischen dem Modell des Rabattvertrages und Lieferschwierigkeiten untersucht. Lesen Sie hier die gesamte Studie.

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