Medikamente im Wasser

Umweltschutz: Wie kommen Arzneimittel ins Wasser?

Rückstände von Arzneimittel finden sich unseren Gewässern. Wie sie dahin kommen, was die Hersteller tun - und wie alle Patient:innen unser Wasser schützen können, erfahren sie hier.

Mehr als 150 Wirkstoffe aus Arzneimitteln (und auch Spurenstoffe aus anderen Bereichen) wurden laut Umweltbundesamt (UBA) bislang in deutschen Oberflächengewässern gefunden. Zwar sind die Mengen meist so gering (0,1 bis ein Mikrogramm pro Liter), dass sie für die menschliche Gesundheit keine akute Gefahr darstellen. Trotzdem muss es ein Ziel sein, die Menge der Spurenstoffe im Abwasser weiter zu reduzieren.

Und dafür können alle etwas tun: die Industrie, die öffentlichen Dienste – und auch die Patient:innen!

Wie kommen Arzneimittel ins Wasser?

Fakt 1

Rückstände von Arzneimitteln werden im Wasser nachgewiesen, sind aber für den Menschen nicht gefährlich.

Fakt 2

Der Großteil der der Arzneimittelrückstände gelangt durch Ausscheidungen in die Gewässer.

Fakt 3

Nur zwei Prozent der Humanarzneimittel im Oberflächengewässer sind auf Herstellungsprozesse zurückzuführen.

Fakt 4

Patient:innen können das Wasser schützen, indem sie Medikamentenmüll nicht über Toilette oder Spüle entsorgen.

Fakt 5

Alte Arzneimittel gehören in den Hausmüll.

Wie kommen Medikamente ins Abwasser?

Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gelangen Rückstände von Humanarzneimitteln über drei Wege ins Abwassersystem:

Durch Ausscheidungen

Das gilt für 80 bis 95 Prozent der Arzneimittel-Rückstände. Der Grund: Die meisten Wirkstoffe – zur Vorbeugung, Heilung oder Linderung einer Erkrankung angewendet – werden nach der Passage durch den menschlichen Körper unverändert und weiterhin wirksam wieder ausgeschieden. Rückstände von Salben verbleiben zudem auf der Haut und werden vom Duschwasser abgespült. Kläranlagen können nicht alle Spurenstoffe herausfiltern. So landen diese zunächst im Abwasser – und schließlich in unseren Gewässern.

Durch unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten

Wer seine Arzneimittel den Abfluss herunter spült, um etwa die Alu-Verpackung oder die Glasflasche umweltgerecht zu entsorgen, belastet das Wasser!

Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts „Civey“ im Auftrag von Pro Generika und der BKK VBU ergab: Ein Viertel der Deutschen (24,9 Prozent) hat Flüssig-Arzneimittel schon mal in Toilette oder Spüle entsorgt. Immerhin ein Zehntel (11,3 Prozent) hat selbiges schon mit festen Arzneimittel (Tabletten) getan. Somit ist davon auszugehen, dass jährlich einige hundert Tonnen Medikamente unsachgemäß über Spüle oder Toilette entsorgt werden. Um darauf aufmerksam zu machen und Patient:innen die richtige Entsorgung nahezubringen, hat Pro Generika gemeinsam mit der Krankenkassen BKK VBU eine Aufklärungskampagne initiiert. 

Durch Abwässer der Pharmaindustrie

Der kleinste Teil der Spurenstoffe gelangt bei der Arzneimittelherstellung ins Abwasser. Das Umweltbundesamt bezieht sich auf Schätzungen, nach denen – von lokal erhöhten Emissionen abgesehen – ca. zwei Prozent der Humanarzneimittel im Oberflächengewässer auf Herstellungsprozesse zurückzuführen sind.

Der Grund für die geringe Zahl sind strenge Auflagen: Pharma-Hersteller dürfen ihr Abwasser nicht einfach in die Kanalisation einleiten. Sie müssen es so aufbereiten, dass es dem häuslichen Verschmutzungsniveau entspricht. Einige Hersteller reinigen ihr Wasser auch zur Gänze selbst und leiten es nach behördlicher Genehmigung direkt ein.

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Welche Wirkstoffe finden sich im Wasser?

Am häufigsten werden jodierte Röntgenkontrastmittel nachgewiesen – und zwar in hohen Dosen (bis 20 Mikrogramm pro Liter). Auch das häufig angewendete Schmerzmittel Diclofenac zeigt auffallend hohe Konzentrationen. Außerdem lassen sich Rückstände von Antiepileptika, Blutdrucksenkern und Schmerzmitteln sowie verschiedene Antibiotika und Hormone nachweisen.

Sind Arzneimittelrückstände gefährlich?

Für die Menschen nicht. Ihre Mengen liegen weit unter der therapeutischen Dosis. Das bedeutet: Akute Wirkungen sind nicht zu befürchten. Langfristige Wirkungen – etwa durch hormonell wirksame Arzneimittel – sind aber nicht auszuschließen.

Allerdings kommen Menschen mit Oberflächengewässern nur selten in Kontakt. Und bevor das Wasser zu Trinkwasser wird, wird es zweimal aufbereitet. Die meisten Spurenstoffe können so herausgefiltert werden. Wurden in der Vergangenheit doch Rückstände von Medikamenten im Trinkwasser - etwa von Diclofenac, Ibuprofen oder Phenazon - gefunden, lag die Menge pro Liter bei Bruchteilen eines Mikrogramms – und damit bei einer Konzentration, bei der eine Wirkung auf die Menschen nicht feststellbar ist.

Anders sieht es bei Tieren und Pflanzen aus, die in den Gewässern leben, in die das Wasser aus den Kläranlagen eingeleitet wird. Hier sehen Experten die Gefahr, dass der stetige Kontakt mit Wirkstoffen – wenn auch nur in kleinen Mengen – die Populationen bestimmter Tierarten langfristig beeinträchtigen könnte.

Was können Patient:innen zum Schutz des Wassers tun?

  • Eine Medikamenteneinnahme (Schmerzmittel, Antibiotikum usw.) sollte nur erfolgen, wenn es wirklich notwendig ist.
  • Die Medikamentendosierung sollte sich strikt an die Packungsbeilage halten.
  • Salben sollten nicht zu dick aufgetragen werden und danach sollte man nicht direkt duschen gehen.
  • Die Entsorgung von abgelaufenen Medikamenten sollte niemals im Waschbecken oder in der Toilette erfolgen. Medikamente gehören in den Hausmüll oder in die Schadstoffsammelstelle der örtlichen Müllabfuhr. 
  • Hier gibt es weitere Informationen zur korrekten Medikamenten-Entsorgung: www. arzneimittelentsorgung.de

Übrigens: Retard-Tabletten und Wirkstoffpflaster geben Wirkstoffe über längere Zeit gleichmäßig ab, wodurch die von Patient:innen wieder ausgeschiedene Wirkstoffkonzentration  deutlich geringer ist. Auch biologische Arzneimittel (u. a. gentechnisch hergestellte Medikamente) belasten das Wasser nicht, da sie biologisch gut abbaubar sind.

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Wo kommen unsere Wirkstoffe her? Wie sieht die Lieferkette eines lebenswichtigen Arznemittels aus? Was sagen Generika-Hersteller zu Plänen der Gesundheitspolitik? Hier finden Sie, was Sie wissen möchten - und was uns bewegt.

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Das 1x1 der Generika

Was sind Generika?

Generika sind Nachahmerprodukte von Arzneimitteln, die ehemals patentgeschützt waren. Ist der Patentschutz abgelaufen (i.d.R. nach 20 Jahren), dürfen auch andere Hersteller die Arzneimittel auf den Markt bringen. Diese sind deutlich günstiger als das Original.

Haben Generika denselben Wirkstoff?

Ja! Die Zulassung von Generika durch eine staatliche Behörde ist der amtliche Nachweis, dass es sich bei dem Generikum um ein Arzneimittel handelt, das den identischen Wirkstoff und dieselbe Qualität hat. 

Haben Generika dieselbe Qualität?

Für Generika gelten dieselben Anforderungen an Arzneimittelsicherheit und Qualität wie für alle anderen Medikamente auch. Deutsche und europäische Vorschriften regeln die Zulassung und legen fest, wie die Prüfbehörden (z.B. EMA, BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut) die Qualität überwachen müssen.

Wofür gibt es Generika?

Generika machen die Arzneimittelversorgung bezahlbar, denn sie sind deutlich günstiger als das Originalprodukt. Dank Generika haben Menschen in Deutschland Zugang zu der Therapie, die sie brauchen. Die massiven Einsparungen durch Generika führen zudem dazu, dass die Versichertengemeinschaft auch teure Therapien Einzelner bezahlen kann.

Welche Krankheiten werden mit Generika behandelt?

Generika decken in Deutschland nahezu 79 Prozent des gesamten Arzneimittelbedarfs ab. Es gibt sie nicht bloß gegen leichte Erkrankungen wie Nagelpilz oder Schnupfen. Vor allem werden sie gegen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Schmerzen eingesetzt. Auch in der Krebs- oder HIV-Therapie finden Generika Anwendung.

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