Zahl des Monats  35 Prozent  März 2021 

Befra­gung unter Exper­ten: Nur 35 % hal­ten es für wahr­schein­lich, dass 2030 mehr Arz­nei­mit­tel in Euro­pa pro­du­ziert wer­den. War­um? Es gibt Zwei­fel, dass es die Poli­tik wirk­lich ernst meint.

Exper­ten­be­fra­gung: Nur ein Drit­tel glaubt an mehr “Made in Europa”

Eine stär­ke­re euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­pro­duk­ti­on ist erklär­tes Ziel der Poli­tik. Sie soll das Eng­pass-Pro­blem ent­schär­fen und Euro­pas Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung unab­hän­gi­ger von Asi­en machen. Eine von Pro Gene­ri­ka in Auf­trag gege­be­ne Stu­die hat jetzt aber erge­ben: Nur jeder drit­te Ken­ner der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung glaubt dar­an, dass die Poli­tik es wirk­lich ernst meint – und gegensteuert.

  • 35 Pro­zent der Befrag­ten hal­ten es nicht für wahr­schein­lich, dass es eine nen­nens­wer­te Re-Loka­li­sie­rung der Arz­nei­mit­tel­pro­duk­ti­on bis 2030 geben wird.
  • Immer­hin 44 Pro­zent geben an, dass das vor­aus­sicht­lich 2040 der Fall sein wird.
  • Erst dann, so die Annah­me, sei der öffent­li­che und media­le Druck so groß, dass natio­na­le und euro­päi­sche Poli­tik han­deln müsse.

Die Zah­len sind Teil einer Stu­die zur Zukunft der Gene­ri­ka- und Bio­si­mi­lar-Indus­trie, die von der Stein­beis-Hoch­schu­le, der School of Inter­na­tio­nal Busi­ness and Entre­pre­neurs­hip (SIBE), im Auf­trag von Pro Gene­ri­ka durch­ge­führt wur­de. Befragt wur­den 61 Exper­ten, dar­un­ter Ver­tre­te­rin­nen der Gene­ri­ka-und Bio­si­mi­lar-Bran­che, Ärz­te, Apo­the­ke­rin­nen und Groß­händ­ler. Außer­dem For­scher und Wis­sen­schaft­le­rin­nen sowie Mit­ar­bei­ter von Minis­te­ri­en, Ver­bän­den und der Fachpresse.

Wird es nach COVID-19 mehr oder weni­ger Glo­ba­li­sie­rung geben?

Grund für die Skep­sis der Befrag­ten ist der mas­si­ve Kos­ten­druck: Die­ser zwin­ge Her­stel­ler gera­de­zu, im Aus­land pro­du­zie­ren zu las­sen. Und nur natio­na­le Regie­run­gen bzw. die EU könn­ten dar­an etwas ändern. Der COVID-19-Lern­ef­fekt – die Erkennt­nis also, wie groß die Abhän­gig­keit von Asi­en ist, wie labil die Lie­fer­ket­ten gewor­den sind und wie sehr es auf eine ver­läss­li­che Ver­sor­gung ankommt – wer­de ver­puf­fen und sich umkeh­ren in eine Glo­ba­li­sie­rung 2.0. So die düs­te­re Pro­gno­se der Experten.

Ers­te Schrit­te sind getan – jetzt heißt es: dranbleiben!

Fest steht: Die EU-Kom­mis­si­on ist mit dem von ihr initi­ier­ten Phar­ma­dia­log im ver­gan­ge­nen Monat einen ers­ten Schritt gegan­gen. Sie will ver­ste­hen, wo Soll­bruch­stel­len der Lie­fer­ket­ten sind – und wie euro­päi­sche Pro­duk­ti­on gestärkt wer­den kann. Die­ser Pro­zess kann aber Jah­re dauern.

Die deut­sche Gesund­heits­po­li­tik ist der­zeit damit beschäf­tigt, die Coro­na-Pan­de­mie zu bekämp­fen und aus­rei­chend Impf­stof­fe zu beschaf­fen. Das Pro­blem der fra­gi­len Lie­fer­ket­ten aber soll­te sie nicht lie­gen las­sen. Denn wir brau­chen in Deutsch­land eine ver­läss­li­che Ver­sor­gung mit Arz­nei­mit­teln. Das war vor Coro­na so. Das ist wäh­rend Coro­na so. Und das wird auch noch Coro­na noch so sein.

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Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

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