Zahl des Monats  8,80 März 2022 

Wie kann es bei einem Medi­ka­ment wie dem Brust­krebs­mit­tel Tam­oxi­fen zu einem Eng­pass kom­men? Eine Ursa­che liegt im nied­ri­gen Preis.

8,80 Euro für die Drei­mo­nats­pa­ckung: Preis­druck hat beim Brust­krebs­mit­tel Tam­oxi­fen zu einer gefähr­li­chen Markt­ver­en­gung geführt

Der Eng­pass beim Brust­krebs­mit­tel Tam­oxi­fen war ein Schock für vie­le Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Eini­ge Wochen lang schien die Ver­sor­gung mit einem nicht ersetz­ba­ren Brust­krebs­me­di­ka­ment in Gefahr – und das, weil offen­bar Zulie­fe­rer aus der Pro­duk­ti­on aus­ge­stie­gen waren. Wie aber kann es bei einem lebens­wich­ti­gen Arz­nei­mit­tel zum Ver­sor­gungs­eng­pass kom­men? Eine Ursa­che liegt im nied­ri­gen Preis, den die Kas­sen den Her­stel­lern bezahlen.

  • So beträgt die Sum­me, die die Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler von den Kran­ken­kas­sen für eine 100er-Packung Tam­oxi­fen erhal­ten, gera­de­mal 8,80 Euro.
  • Das ist der Erstat­tungs­preis, den die Kran­ken­kas­sen fest­le­gen und der nicht erhöht wer­den kann. Egal ob die Pro­duk­ti­ons­kos­ten stei­gen oder ein kos­ten­auf­wän­di­ger Trans­fer zu einem ande­ren Zulie­fe­rer nötig wird: Ein Her­stel­ler erhält für die Drei­mo­nats­pa­ckung Tam­oxi­fen 8,80 Euro.
  • Das bedeu­tet: Ein Her­stel­ler muss zu die­sem Preis kos­ten­de­ckend pro­du­zie­ren. Schafft er das nicht, muss er sich aus der Ver­sor­gung zurückziehen.

Immer mehr Her­stel­ler stei­gen aus

Letz­te­res ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bei Tam­oxi­fen auf allen Ebe­nen der Lie­fer­ket­te gesche­hen. Die Fol­ge ist eine gefähr­li­che Markt­ver­en­gung: Gab es Ende 2006 noch 19 Her­stel­ler von Tam­oxi­fen-Arz­nei­mit­teln in Deutsch­land, sind es heu­te nur noch vier Her­stel­ler, die den Groß­teil des Mark­tes ver­sor­gen und dabei zum Teil auf iden­ti­sche Zulie­fe­rer zurückgreifen.

Deutsch­land im euro­päi­schen Preis­ver­gleich bei Tam­oxi­fen ganz unten

Blickt man über die Lan­des­gren­zen auf die Prei­se, die ande­re Gesund­heits­sys­te­me für Tam­oxi­fen bezah­len, fällt auf: Kaum ein west­eu­ro­päi­sches Land gibt so wenig für die­ses Arz­nei­mit­tel aus wie Deutsch­land. Schon in direk­ter Nach­bar­schaft bezah­len die Kran­ken­kas­sen deut­lich mehr: rund das Dop­pel­te in Frank­reich und den Nie­der­lan­den sowie das Sechs­fa­che in Österreich.

Was muss jetzt passieren?

Tam­oxi­fen ist nur ein Bei­spiel für die vie­len Gene­ri­ka, für die die Kran­ken­kas­sen bloß noch Cent-Beträ­ge für eine Tages­the­ra­pie­do­sis bezah­len. Ein Fall, aus dem wir Schlüs­se zie­hen soll­ten: Bei Wirk­stof­fen, für deren Pro­duk­ti­on es nur noch eine Hand­voll Her­stel­ler gibt, müs­sen die Kos­ten­dämp­fungs­in­stru­men­te aus­ge­setzt wer­den. Dort dür­fen Preis­mo­ra­to­ri­um, Fest­be­trä­ge und Rabatt­ver­trä­ge die Prei­se nicht der­art gering­hal­ten, dass es für Her­stel­ler nicht mehr wirt­schaft­lich ist.

8,80 Euro kön­nen nicht län­ger der Gegen­wert sein für drei Mona­te Ver­sor­gung mit einem hoch­kri­ti­schen Arz­nei­mit­tel. Das haben zahl­lo­se Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten bit­ter erfah­ren müs­sen. Die Poli­tik darf daher nicht zur Tages­ord­nung übergehen.

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