Zahl des Monats  > 80 %  Juni 2021 

Mehr als 80 % der gesetz­lich Ver­si­cher­ten wer­den bei man­chen Gene­ri­ka-Wirk­stof­fen von nur einem Her­stel­ler versorgt.

Gefähr­li­che Markt­ver­en­gung: Wenn ein ein­zi­ger Her­stel­ler 80 Pro­zent der gesetz­lich Ver­si­cher­ten versorgt

Bei Gene­ri­ka hän­gen immer mehr Pati­en­ten von immer weni­ger Her­stel­lern ab. Das ist eine Kon­se­quenz aus der Poli­tik der Kran­ken­kas­sen, Ver­sor­gungs­auf­trä­ge an nur einen ein­zi­gen Her­stel­ler zu ver­ge­ben. Hier ist der Effekt beson­ders pro­ble­ma­tisch: Bei 17 Wirk­stof­fen ist es ein ein­zi­ges Unter­neh­men, das fast alle gesetz­lich Ver­si­cher­ten versorgt.

  • Bei Meto­clo­pra­mid –  einem Wirk­stoff, der unter ande­rem Übel­keit nach einer Che­mo-The­ra­pie ver­hin­dern kann – ist ein ein­zi­ger Her­stel­ler für die Ver­sor­gung von 99,4 Pro­zent aller gesetz­lich Ver­si­cher­ten zuständig.
  • Bei Ent­a­ca­pon – einem Wirk­stoff, den vie­le Par­kin­son-Pati­en­ten benö­ti­gen – hän­gen 85,2 Pro­zent der gesetz­li­che Ver­si­cher­ten von bloß einem Her­stel­ler ab.
  • Bei Mino­cy­clin – einem Anti­bio­ti­kum, das u.a. bei Akne ein­ge­setzt wer­den kann – gibt es für 84,8 Pro­zent aller gesetz­lich Ver­si­cher­ten nur noch einen ein­zi­gen Hersteller.

Gefähr­li­che Abhängigkeit

Bei Ver­trä­gen im Ein-Part­ner-Modell erhält nur ein Unter­neh­men den Auf­trag, sämt­li­che Pati­en­ten einer Kran­ken­kas­se mit einem bestimm­ten Arz­nei­mit­tel zu ver­sor­gen. Der Zuschlag geht immer an den­je­ni­gen, der das güns­tigs­te Ange­bot abgibt. Das Pro­blem dar­an: Fällt die­ser Her­stel­ler aus – etwa, weil er einen Lie­fer­eng­pass hat oder Lie­fer­we­ge blo­ckiert sind – kön­nen die ande­ren Unter­neh­men sein Volu­men so schnell nicht abde­cken und ein Lie­fer­eng­pass kann die Fol­ge sein.

Sys­te­ma­ti­scher Denkfehler

Dass rund ein Drit­tel der Wirk­stof­fe von den Kran­ken­kas­sen in die­sem Ein-Part­ner-Modell aus­ge­schrie­ben wer­den, galt vie­len bis­lang als nicht pro­ble­ma­tisch. Da die meis­ten Kran­ken­kas­sen ein­zeln aus­schrei­ben, wür­de sich auto­ma­tisch eine Diver­si­fi­zie­rung der Anbie­ter ein­stel­len, so der Denk­feh­ler. Aber: Immer mehr Kran­ken­kas­sen bestel­len bei ein und dem­sel­ben Unternehmen.

Schluss mit dem Ein-Partner-Modell

Die Fol­ge ist eine gefähr­li­che Markt­ver­en­gung, die sich auch bei 104 wei­te­ren Wirk­stof­fen andeu­tet: Hier ver­sorgt ein Her­stel­ler bereits mehr als die Hälf­te aller gesetz­lich Ver­si­cher­ten. Will die Poli­tik eine wei­te­re Markt­ver­en­gung ver­hin­dern, muss sie jetzt ein­grei­fen. Ver­sor­gung soll­te wie­der auf meh­re­re Schul­tern ver­teilt wer­den. Und zwar indem Auf­trä­ge stets an min­des­tens drei Her­stel­ler ver­ge­ben wer­den (müs­sen).

Down­load: Zahl des Monats Juni 2021

Zahl des Monats
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Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

Zu den Zah­len des Monats 
Zahl des Monats  6 Cent  Mai 2021 

6 Cent kos­tet der Tages­be­darf eines Gene­ri­kums im Schnitt. Ein Ergeb­nis des mas­si­ven Kos­ten­drucks, der auf lan­ge Sicht die Sta­bi­li­tät der Ver­sor­gung bedroht. Es gilt umzu­den­ken: Gene­ri­ka müs­sen uns mehr wert sein.

6 Cent – zu wenig für (über)-lebenswichtige Medikamente!

Ob bei Krebs, Blut­hoch­druck oder Dia­be­tes: Der Groß­teil der Arz­nei­mit­tel, die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ver­schrie­ben bekom­men, sind Gene­ri­ka. Doch wäh­rend wir in der Ver­sor­gung voll auf Gene­ri­ka set­zen, geben die Kas­sen immer weni­ger dafür aus. 6 Cent erhal­ten Her­stel­ler für eine Tages­the­ra­pie­do­sis. Das ist zu wenig und die Fol­gen des Kos­ten­drucks sind fatal.

Das Pro­blem in Kürze:

  • Erhiel­ten Gene­ri­ka-Her­stel­ler im Jahr 2010 noch 12 Cent für die Tages­the­ra­pie­do­sis eines Gene­ri­kums im Schnitt, sind es inzwi­schen bloß noch 6 Cent. Dabei nimmt der Anteil der Gene­ri­ka an der Ver­sor­gung ste­tig zu. Und stieg in zehn Jah­ren von 70 auf fast 79 Prozent.
  • Die Fol­gen des Kos­ten­drucks sind: die Ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on nach Asi­en und die Abhän­gig­keit von bloß noch weni­gen Her­stel­lern – vor allem auf Ebe­ne der wich­ti­gen Wirkstoffe.
  • Glo­ba­le Lie­fer­ket­ten, an denen immer mehr gespart wer­den muss, wer­den immer fra­gi­ler – auch bei (über)lebenswichtigen Arzneimitteln.

Poli­ti­ker neh­men höhe­re Prei­se in Kauf

In der Poli­tik herrscht Kon­sens dar­über, dass unse­re Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung in Schief­la­ge gera­ten ist. Wäh­rend die Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben seit Jah­ren stei­gen, sinkt der Anteil, der auf die Gene­ri­ka ent­fällt, wei­ter ab. Gesund­heits­po­li­ti­ker aller gro­ßen Par­tei­en for­dern, dass es fort­an bei der Beschaf­fung von Medi­ka­men­ten nicht mehr nur ums Spa­ren, son­dern um Nach­hal­tig­keit und mehr Resi­li­enz gehen soll.

„Es darf kei­ne Null­kom­mair­gend­was-Prei­se mehr geben!“

Kor­du­la Schulz-Asche (Bünd­nis 90 / Die Grü­nen) hat beim Pro Gene­ri­ka-Früh­lings­talk im Mai 2021 klar benannt, was von Maß­nah­men zuguns­ten von mehr Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu erwar­ten ist. Sie sag­te schlicht: „Es wird teu­rer.“ Kurz zuvor hat­te Mar­ti­na Stamm-Fie­big (SPD) im April im Rah­men einer Han­dels­blatt-Tagung bemerkt: „Mit Blick auf die Lie­fer­eng­päs­se kön­nen wir uns kei­ne Null­kom­mair­gend­was-Beträ­ge für Tages­the­ra­pie­do­sen mehr leis­ten“. Und Tino Sor­ge (CDU) gab auf der­sel­ben Ver­an­stal­tung zu: „Bis­lang haben wir nur auf den Preis geschaut. Jetzt müs­sen wir uns fra­gen: Was ist uns Lie­fer­si­cher­heit in Kri­sen wert?“

Was aber ist jetzt kon­kret zu tun?

Auf die Gesund­heits­po­li­ti­ker kom­men in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode gro­ße Auf­ga­ben zu. Was in Bezug auf mehr Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu tun ist, fasst das Pro Gene­ri­ka-Posi­ti­ons­pa­pier zusam­men. Die wich­tigs­ten Punk­te auf einen Blick fin­den Sie hier.

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Zahl des Monats
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Jeden Monat ver­öf­fent­li­chen wir eine Zahl zu einem arz­nei­po­li­ti­schen The­ma, auf das wir beson­ders auf­merk­sam machen möchten.

Zu den Zah­len des Monats 
Zahl des Monats  > 30 Jahre  Dezem­ber 2020 

Die Ver­ord­nung von Gene­ri­ka trägt seit mehr als 30 Jah­ren zur Dämp­fung der Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben bei. Sie machen es mög­lich, dass jeder Pati­ent in Deutsch­land genau die The­ra­pie erhält, die er braucht.

2020 war das Jahr der Pan­de­mie und das Jahr, das die gesetz­li­chen und pri­va­ten Kran­ken­kas­sen schwer belas­tet hat. Da ist es gut, dass es Gene­ri­ka gibt, die die hohen Arz­nei­mit­tel­aus­ga­ben spür­bar dämp­fen — seit mehr als 30 Jahren!

  • Zwar gab es ers­te Gene­ri­ka (u.a. Par­acet­amol und Dia­ze­pam) schon 1975, damals aber war der Markt so regu­liert, dass sie nur lang­sam Markt­an­tei­le errin­gen konnten.
  • Noch im Jahr 1980 lag die durch­schnitt­li­che Anzahl gene­ri­scher Wett­be­wer­ber selbst zwei Jah­re nach dem Patent­ab­lauf bei gera­de­mal vier.
  • Der Sie­ges­zug der Gene­ri­ka star­te­te Ende der 80er Jah­re – und zwar mit der Erlaub­nis für Gene­ri­ka-Her­stel­ler, für die Pro­duk­ti­on von Nach­fol­ge­prä­pa­ra­ten auf die Unter­la­gen des Ori­gi­nal­her­stel­lers zurückzugreifen.

Seit­dem wer­den Jahr für Jahr mehr Gene­ri­ka ver­schrie­ben. Längst sind anfäng­li­che Vor­ur­tei­le – wonach die Qua­li­tät nied­ri­ger wäre als bei den Ori­gi­nal­pro­duk­ten – aus dem Weg geräumt. Pati­en­ten und Ärz­te wis­sen, dass für Gene­ri­ka die glei­chen Qua­li­täts­an­for­de­run­gen gel­ten, wie für die Erst­an­bie­ter­pro­duk­te und dass sie genau­so wirk­sam sind.

Nicht zuletzt hat die­ses Ver­trau­en dazu geführt, dass sich die Anzahl der Ver­ord­nun­gen von Gene­ri­ka in Bezug auf Tages­the­ra­pie­do­sen mas­siv aus­ge­wei­tet haben. War vor 30 Jah­ren gera­de­mal jedes fünf­te ver­ord­ne­te Prä­pa­rat ein Gene­ri­kum (21,9 Pro­zent), ist es nun­mehr fast umge­kehrt: 78,7 Pro­zent der Ver­ord­nun­gen im Jahr 2019 waren Gene­ri­ka, was bedeu­tet: Nur noch jedes fünf­te ver­ord­ne­te Prä­pa­rat ist ein Ori­gi­nal!    Und so sind es Gene­ri­ka, die die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung für das deut­sche Gesund­heits­sys­tem bezahl­bar hal­ten. Sie machen es mög­lich, dass jeder Pati­ent in Deutsch­land genau die The­ra­pie erhält, die er braucht. Auch und ganz beson­ders in Zei­ten der welt­wei­ten Pandemie.

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