Depression

75% – Durchschnittlicher Marktanteil von Generika bei SSRI zwei Jahre nach Markteintritt

Zu den wichtigsten Arzneimittelgruppen, die in der medikamentösen Therapie von Depressionen eingesetzt werden (Antidepressiva) und für die Generika verfügbar sind, zählen Nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer (NSMRI), andere Antidepressiva, Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI).

Die klinische Evidenz zur Wirksamkeit von Antidepressiva im Hinblick auf Remission, Prävention und Rückfallquoten ist nicht eindeutig. Antidepressiva scheinen in der Behandlung schwerer Depressionen gegenüber Placebo wirkungsvoller zu sein, bei leichten Depressionen hingegen nicht. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass mit einer Kombination aus unterstützender Betreuung und SSRI-Therapie eine höhere Lebensqualität und Zufriedenheit von depressiven Patienten erreicht werden kann als mit unterstützender Betreuung allein. Unterschiedliche Wirkstoffe sind grundsätzlich gleich effektiv, aber sie unterscheiden sich teilweise deutlich im Hinblick auf Toxizität und Nebenwirkungen. Einige US-Studien haben zudem gezeigt, dass der Einsatz von Generika mit einem verminderten Risiko einer Therapieunterbrechung verbunden ist. Andere Studien aus den USA kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass sich Abbruchraten von Patienten, die Markenpräparate oder Generika einnehmen, nicht signifikant unterscheiden.

Der therapeutische Einsatz von Antidepressiva hat in Europa während der letzten zehn Jahre trotz der vergleichsweise schwächeren Evidenzlage stark zugenommen. Im internationalen Durchschnitt hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Antidepressiva im Zeitraum 2000 bis 2013 ungefähr verdoppelt, in Deutschland erhöhte er sich um etwa das Zweieinhalbfache. Dazu dürfte u. a. beigetragen haben, dass heute eine Behandlung von Depressionen sozial stärker akzeptiert wird und entsprechend die Bereitschaft höher ist, sich behandeln zu lassen.

Für Depression gibt es keine offensichtlichen Messgrößen für die gesundheitlichen Outcomes. Ein möglicher Parameter ist die Suizid-Rate als eine Form der durch Depression verursachten Sterblichkeit. Tatsächlich sind die Suizid-Raten in vielen europäischen Ländern stark zurückgegangen. Allerdings gibt es keine eindeutige Evidenz hinsichtlich der Frage, ob bzw. inwiefern der Einsatz von Antidepressiva hierzu beigetragen hat. Alternative Zielgrößen des Einsatzes von Antidepressiva im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit – etwa weniger Arbeitsunfähigkeit – sind bislang kaum in Betracht gezogen worden.

Dass trotz der begrenzten klinischen und bevölkerungsbezogenen Evidenz immer mehr Antidepressiva in der Therapie von Depressionen eingesetzt werden, lässt sich auf den großen Anteil der immer noch inadäquat oder völlig unbehandelten Patienten und somit auf einen großen ungedeckten Behandlungsbedarf zurückführen.

Bei den SSRI haben Generika innerhalb der ersten beiden Jahre nach ihrem jeweiligen Markteintritt einen Verordnungsanteil von durchschnittlich 75 Prozent erreicht. Dabei ist die Gesamtzahl der Verordnungen weiterhin vergleichsweise kontinuierlich gestiegen. Mit der raschen und starken Marktdurchdringung von Generika bei den SSRI hat sich hingegen die Umsatzentwicklung erkennbar abgeschwächt: Während die Umsatzerhöhung in den zwei Jahren vor Generika-Markteintritt noch bei durchschnittlich über 90 Prozent lag, betrug sie im Zweijahreszeitraum danach nur noch knapp 10 Prozent.

Wert der Generika_Depression
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