
Der Gesetzgeber hat exklusive Rabattverträge bei Biosimilars Ende Mai 2026 verboten. Denn der durch sie ausgelöste Unterbietungswettbewerb macht Lieferketten fragil und verstärkt unsere Abhängigkeit von China. Bei Brustkrebsmitteln, Antibiotika oder Diabetesmitteln aber greift das Verbot nicht. Vier Beispiele zeigen, was das bedeutet – und warum die Politik jetzt nachziehen muss.
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hat der Bundestag im Mai exklusive Rabattverträge bei Biosimilars – also biopharmazeutischen Nachahmer-Präparaten – für zwei Jahre verboten. Das Prinzip dieser Verträge: Nur der günstigste Anbieter erhält den Zuschlag, alle anderen gehen leer aus. Das befeuert einen Unterbietungswettbewerb, der Hersteller aus dem Markt drängt und Produzenten aus China begünstigt, die zu Niedrigstpreisen liefern können. Doch das Verbot, das dringend notwendig war, gilt nur für Biosimilars. Für versorgungskritische Generika – Mittel gegen Brustkrebs, Diabetes oder bakterielle Infektionen – greift es nicht. Pro Generika fordert jetzt, das zu ändern. Warum, zeigen diese vier Beispiele.

Tamoxifen ist eines der meisteingesetzten Medikamente in der Brustkrebstherapie. 2022 war es über Monate nicht ausreichend lieferbar. Einige Hersteller importierten kurzfristig Ware, Sandoz konnte sogar eine Sonderproduktion in Barleben (Sachsen-Anhalt) einschieben. Die Versorgung war gerettet, aber die Krankenkassen ließen sich nicht beirren: Sie reagierten mit neuen Exklusivausschreibungen, die einzig und allein auf den billigsten Preis abzielen. Innerhalb der letzten 20 Jahre reduzierte sich die Zahl der Hersteller von Tamoxifen von 19 auf nunmehr 3.

Country President Sandoz Germany
Das Angstlösemittel Lorazepam wird sowohl in der Kurzzeittherapie als auch vor operativen Eingriffen eingesetzt. Nur noch drei Hersteller teilen sich den Markt. Pro Tablette erhält der Hersteller grob 8 Cent – und muss darauf noch Rabatte gewähren. Neue Anbieter steigen unter diesen Bedingungen nicht ein. Das Risiko eines Versorgungsengpasses ist entsprechend hoch.
Offiziell steht das Diabetesmittel Metformin nicht auf der Liste versorgungskritischer Medikamente. Wie relevant es dennoch ist, zeigen die Zahlen: Etwa zehn Millionen Mal wird das Medikament jährlich in Deutschland verordnet. Versorgten 2011 noch 40 Hersteller den Markt mit Metformin, sind es heute lediglich noch 5. Der Grund dafür liegt auch hier in den Niedrigstpreisen aufgrund exklusiver Rabattverträge. Preise, zu denen die meisten Hersteller nicht mehr wirtschaftlich produzieren können. Für eine Tablette Metformin erhält ein Hersteller aktuell zwischen 2 und 3 Cent - ohne Rabatte. Wie fragil dieses System ist, macht Josip Mestrovic, General Manager von Zentiva, deutlich:

General Manager der Zentiva Pharma GmbH
Es ist eines der wichtigsten Antibiotika überhaupt: Amoxicillin wird bei einem breiten Spektrum bakterieller Infektionen eingesetzt. Rund 70 Prozent aller verordneten Präparate unterliegen Rabattverträgen und damit dem Niedrigstpreisprinzip. Sandoz ist der letzte Hersteller, der alle Produktionschritte an einem einzigen Standort in Europa abbildet. „Chinesische Dumpingpreise auf der einen Seite, explodierende Produktionskosten auf der anderen – in einem rein preisgetriebenen Wettbewerb hat unser Werk im österreichischen Kundl kaum eine Chance. Gerade bei Antibiotika wie Amoxicillin spitzt sich das durch Ausschreibungen zu, die ausschließlich auf den günstigsten Preis setzen. Wir können kaum noch kostendeckend produzieren“, erklärt Thomas Weigold, Country President Sandoz Germany.
Was zu tun ist, liegt auf der Hand: Das Verbot exklusiver Rabattverträge muss auf alle versorgungskritischen Arzneimittel ausgeweitet werden – für mindestens fünf Jahre. Die kommende Pharmastrategie der Bundesregierung wäre der richtige Rahmen dafür. Pro Generika hat dafür einen konkreten Umsetzungsvorschlag erarbeitet, der Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringt – inklusive einer Kategorisierung versorgungskritischer Arzneimittel nach Marktlage und Dringlichkeit: den Masterplan für eine stabile Versorgung.
KOMMENTAR VON BORK BRETTHAUER

Geschäftsführer von Pro Generika
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