Wie kommen Medikamente ins Abwasser?
Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gelangen Rückstände von Humanarzneimitteln über drei Wege ins Abwassersystem:
Durch Ausscheidungen
Das gilt für 80 bis 95 Prozent der Arzneimittel-Rückstände. Der Grund: Die meisten Wirkstoffe – zur Vorbeugung, Heilung oder Linderung einer Erkrankung angewendet – werden nach der Passage durch den menschlichen Körper unverändert und weiterhin wirksam wieder ausgeschieden. Rückstände von Salben verbleiben zudem auf der Haut und werden vom Duschwasser abgespült. Kläranlagen können nicht alle Spurenstoffe herausfiltern. So landen diese zunächst im Abwasser – und schließlich in unseren Gewässern.
Durch unsachgemäße Entsorgung von Medikamenten
Wer seine Arzneimittel den Abfluss herunter spült, um etwa die Alu-Verpackung oder die Glasflasche umweltgerecht zu entsorgen, belastet das Wasser!
Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts „Civey“ im Auftrag von Pro Generika und der BKK VBU ergab: Ein Viertel der Deutschen (24,9 Prozent) hat Flüssig-Arzneimittel schon mal in Toilette oder Spüle entsorgt. Immerhin ein Zehntel (11,3 Prozent) hat selbiges schon mit festen Arzneimittel (Tabletten) getan. Somit ist davon auszugehen, dass jährlich einige hundert Tonnen Medikamente unsachgemäß über Spüle oder Toilette entsorgt werden. Um darauf aufmerksam zu machen und Patient:innen die richtige Entsorgung nahezubringen, hat Pro Generika gemeinsam mit der Krankenkassen BKK VBU eine Aufklärungskampagne initiiert.
Durch Abwässer der Pharmaindustrie
Der kleinste Teil der Spurenstoffe gelangt bei der Arzneimittelherstellung ins Abwasser. Das Umweltbundesamt bezieht sich auf Schätzungen, nach denen – von lokal erhöhten Emissionen abgesehen – ca. zwei Prozent der Humanarzneimittel im Oberflächengewässer auf Herstellungsprozesse zurückzuführen sind.
Der Grund für die geringe Zahl sind strenge Auflagen: Pharma-Hersteller dürfen ihr Abwasser nicht einfach in die Kanalisation einleiten. Sie müssen es so aufbereiten, dass es dem häuslichen Verschmutzungsniveau entspricht. Einige Hersteller reinigen ihr Wasser auch zur Gänze selbst und leiten es nach behördlicher Genehmigung direkt ein.