Interview mit Christoph Stoller, stellv. Vorstandsvorsitzender Pro Generika

3 Fragen an den stellv. Vorstandsvorsitzenden von Pro Generika und Geschäftsführer von Teva/ratiopharm Deutschland, Christoph Stoller

  • Herr Stoller, wie hat sich Teva/ratiopharm auf den 9.2.2019 vorbereitet?

Teva hat in Europa 100 Millionen Euro investiert, um für die Implementierung der Fälschungsrichtlinie bereit zu sein. Davon alleine 17 Millionen am größten Standort im Teva-Netzwerk in Ulm. Dies sind insbesondere für Generika, die einen niedrigeren Preis aufweisen und ohnehin viel unwahrscheinlicher Fälschungen unterliegen, erhebliche Kosten. Dazu kommen die laufenden Kosten.

Die Umsetzung hat schon vor einigen Jahren begonnen mit der Umstellung der Verpackungslinien auf die neuen Anforderungen. In den vergangenen Monaten haben wir viele Tests durchgeführt um eine reibungslose Einführung am 9. Februar sicher zu stellen.

  • Was konkret kann man sich darunter vorstellen, wenn sich Generikaunternehmen, die einen besonders großen Anteil an der Versorgung in Deutschland haben und viele verschiedene Produktionsstätten betreiben, auf so einen Stichtag vorbereiten?

Mit einer Produktionsmenge von jährlich rund 333 Millionen Packungen sind wir in Deutschland einer der größten Arzneimittelhersteller. Solche Mengen erforderten einen langen zeitlichen Vorlauf und so arbeiten wir bereits seit August 2017 an dem Projekt Serialisierung. Insgesamt 44 Verpackungslinien wurden für rund 17 Millionen Euro in drei Technologien bei uns umgerüstet und qualifiziert. Damit sind wir innerhalb der Teva der Standort mit den meisten umgerüsteten Linien. Der nächst größere Standort Debrecen in Ungarn kommt nur auf 25 Verpackungslinien. Darüber hinaus haben wir in unserer deutschen Pharmafertigung weit über 3.000 Faltschachteln angepasst, um die Serialisierungsdaten aufbringen zu können.

  •  Der 9.2. 2019 ist als Stichtag des „Scharfschaltens“ der EU-Fälschungsrichtlinie seit drei Jahren bekannt. Dennoch ist es das vermutlich größte Infrastrukturprojekt in der Arzneimittelversorgung der letzten Jahrzehnte und umfasst neben den pharmazeutischen Unternehmen auch die Apotheken, Großhändler und Kliniken. Andere Länder, wie z. B. Österreich, tragen dieser Komplexität Rechnung, indem es dort eine Art Anlaufphase gibt, so dass alle Akteure die Chance haben, ganz konkrete Erfahrungen mit dem neuen System im Echtzeitbetrieb zu machen. Wäre das auch für Deutschland ein pragmatischer Ansatz, von dem man lernen könnte? Welche Herangehensweise würde aus Ihrer Sicht in Deutschland helfen, eine möglichst reibungslose Einführung des Systems zu gewährleisten?

Es ist das Ziel aller Beteiligten, dass diese Einführung reibungslos verläuft und die Patientinnen und Patienten von dieser Umstellung möglichst nichts merken. Aufgrund der sehr großen Komplexität dieses Projekts und der vielen verschiedenen Beteiligten wie Pharmaunternehmen, Großhandel, Apotheken und Kliniken können kleine Anlaufschwierigkeiten trotz der sehr intensiven Vorbereitung nicht ausgeschlossen werden. Dementsprechend plädiere ich für eine sehr pragmatische Vorgehensweise in den ersten Wochen nach dem Stichtag. Wir sind diesbezüglich mit den Behörden im Austausch, die Gespräche sind sehr konstruktiv und dementsprechend bin ich überzeugt, dass die Einführung erfolgreich verlaufen wird.