„Der unsichtbare Feind“ – Statement zur Preview NDR-Fernsehproduktion

Am 04.05.2017 fand in Berlin eine Preview einer NDR-Fernsehproduktion statt, die sich mit der Entstehung von Antibiotikaresistenzen vor allem in Indien befasst und auch auf die Umweltstandards in Indien eingeht. Hierzu sagt Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika:

„Die Produktion von Antibiotika findet in vielen Ländern statt, vor allem in China und teilweise in Indien. Die Gründe dafür haben wir in unserer Pressekonferenz „Engpässe bei lebenswichtigen Antibiotika: Gründe, Auswirkungen und Lösungsvorschläge“ am 14.2.2017 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein wesentlicher Grund: Die Zahlungsbereitschaft für generische Antibiotika ist in Deutschland so gering, dass keine Produktion in Deutschland möglich ist.

In Bezug auf die Umweltstandards in Indien gilt: Die jeweils vor Ort geltenden Umweltauflagen werden von unseren Mitgliedsunternehmen eingehalten und von staatlichen Behörden überwacht.

Unsere Mitgliedsunternehmen gehen teilweise noch darüber hinaus: Einige haben technische Vorkehrungen getroffen, damit keinerlei flüssige Produktionsrückstände in die Umwelt gelangen. Andere haben ihre Zulieferer einer Verpflichtung unterworfen, die klare Vorgaben hinsichtlich Abfall-, Abwasser- und Emissionsmanagement beinhaltet. Zudem führen Unternehmen auch im Bereich Umwelt über die behördlichen Kontrollen hinaus eigene Überprüfungen (sog. Audits) bei ihren Zulieferern durch.

Vor diesem Hintergrund wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten – Gesundheitspolitikern, Krankenkassen, Krankenhäuser – erarbeiten, welche zusätzlichen Kriterien – neben dem hohen Qualitätsniveau – künftig an Arzneimittel angelegt werden sollen. Wir haben uns bereits im Pharmadialog, den die Bundesregierung mit der Wissenschaft, den Gewerkschaften und den Biotech- und Pharmaunternehmen bis 2016 geführt hat, dafür stark gemacht, den Produktionsstandort Deutschland zu stärken und das Kriterium der Liefer- und Versorgungssicherheit ernster zu nehmen.

Sozial- und Umweltaspekte könnten bereits nach dem heutigen Vergaberecht in den EU-weiten Rabattvertragsausschreibungen der Krankenkassen Berücksichtigung finden. Bislang entscheidet aber nahezu ausschließlich der billigste Preis über den Zuschlag in einer solchen Ausschreibung.

Darüber hinaus muss das Thema unserer Überzeugung nach auch auf die Agenda der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der EU und Indien bzw. China. Denn die Arzneimittelproduktion in Indien und China findet nicht ausschließlich für Deutschland statt, sondern für die gesamte Welt. Es ist daher richtig, dass sich Deutschland im Rahmen seiner G-20-Präsidentschaft mit Nachdruck für den weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung multiresistenter Bakterien stark macht.“