image-nachhaltige-arrneimittelversorgung

Nachhaltige Arzneimittelversorgung:
Nur mit Generika und Biosimilars

Pro Generika engagiert sich dafür, dass Patienten in Deutschland ihrem medizinischen Bedarf entsprechend dauerhaften Zugang zu modernen Arzneimitteln haben. Eine nachhaltige Arzneimittelversorgung sorgt dafür, dass sich das deutsche Gesundheitssystem auch künftig diesem Anspruch stellen kann. Dabei sind die finanziellen Mittel im Gesundheitssystem immer begrenzt.

Generika und Biosimilars ermöglichen die Nachhaltigkeit der Arzneimittelversorgung in Deutschland, weil sie im Vergleich zu den Präparaten des Erstanbieters nicht nur die gleiche Qualität und Wirksamkeit gewährleisten, sondern zusätzlich Preisvorteile bieten. So kosten Generika z. B. in Deutschland im Durchschnitt ab Werk weniger als ein Drittel der patentfreien Erstanbieterpräparate.

Die meisten Erkrankungen können bereits mit Generika behandelt werden. Das gilt z. B. für Bluthochdruck, Rheuma, Diabetes, Krebs, Infektionskrankheiten, HIV/AIDS, Asthma, Parkinson, Epilepsie, psychische Erkrankungen und Schmerzen.

Sobald der Patentschutz für ein Arzneimittel abgelaufen ist, können auch Generikahersteller dieses Medikament anbieten. Dabei zeigt sich, dass die Vielfalt der Anbieter für ein bestimmtes Arzneimittel essentielle Voraussetzung für Preiswettbewerb und dauerhafte Versorgungssicherheit in Deutschland ist. Je mehr Generikaunternehmen mit demselben Arzneimittel im Wettbewerb stehen, umso rascher sinken dessen Preise. Der Generikawettbewerb spart dem Gesundheitssystem damit viel Geld, das an anderer Stelle für die Patienten verwendet werden kann.

Die Vielfalt der Generikaunternehmen ist aber auch Voraussetzung für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Denn fällt bei einem Arzneimittel, für das es nur wenige Anbieter gibt, einer der Anbieter aus, sind die anderen möglicherweise nicht mehr in der Lage, den Bedarf kurzfristig zu decken.

In den vergangenen Jahren hat sich eine scherenförmige Entwicklung gezeigt: Während Generika- und Biosimilarunternehmen einerseits einen immer größeren Anteil an der Sicherstellung der Arzneimittelversorgung in Deutschland haben, ist ihr realer Anteil an den Arzneimittelausgaben der Krankenkassen (also zu Werkspreisen und nach Abzug der Rabatte aus Rabattverträgen) stetig gesunken.

Der Netto-Umsatz der Generikaunternehmen ist durch die Rabattverträge seit Jahren stark rückläufig

Ein wesentlicher Grund für diese Schere ist die Tatsache, dass der Großteil des deutschen Generikamarkts seit 2007 von Rabattverträgen beherrscht wird. Rabattverträge haben jedoch grundlegende Auswirkungen auf die Generikaunternehmen.

Zunächst ist festzustellen, dass Rabattverträge die Anbietervielfalt reduzieren: Der Anteil der führenden zehn Hersteller im Rabattvertragsmarkt ist mit 71 Prozent wesentlich höher als im Marktsegment ohne Rabattverträge. Dort entfallen auf die Top 10-Hersteller lediglich 34 Prozent.

Die Marktverengung durch Rabattverträge nimmt seit Jahren zu

 

Rabattverträge führen jedoch gerade auch bei wichtigen Wirkstoffen zu sehr starken Marktverengungen: Hohe Marktanteile verteilen sich jeweils auf wenige Anbieter. Dies zeigt sich bei wichtigen Standardtherapeutika wie Ibuprofen, Tacrolimus und Methotrexat, bei denen sich jeweils fast 95 Prozent des Absatzes im Rabattvertragsmarkt auf je drei Unternehmensgruppen konzentriert.

Gravierender noch ist die Situation bei den höchst versorgungsrelevanten Antibiotika. Allein bei den vier unverzichtbaren Antibiotika Amoxicillin, Clarithromycin, Doxycyclin und Cefixim müssen fast bis 100 Prozent der Packungen im Rabattvertragsmarkt von je drei Unternehmensgruppen bereitgestellt werden.

Eine hohe Marktverengung durch Rabattverträge wird auch bei Antibiotika in Kauf genommen

Diese hohe Abhängigkeit von wenigen Anbietern erhöht auch das Risiko von Arzneimittelengpässen. Denn fällt ein Anbieter eines bestimmten Arzneimittels aus – sei es wegen Produktionsproblemen, Verzögerungen bei Rohstofflieferanten oder dem Ausfall wichtiger Zulieferer –, können die verbliebenen Unternehmen den dann eintretenden Mehrbedarf kurzfristig nicht immer kompensieren.

Das Instrument der Rabattverträge untergräbt damit die Vielfalt der Anbieter auf der Unternehmensseite, die ihrerseits Voraussetzung für Wettbewerb und Versorgungssicherheit ist.

Biosimilars: Den Weg jetzt frei machen

Mehr und mehr werden künftig auch biopharmazeutische Arzneimittel ihren Patentschutz verlieren. Dann können Biosimilars hergestellt werden. Das führt zu Wettbewerb und der Wettbewerb führt zu sinkenden Arzneimittelpreisen.

Biosimilars erweitern aber auch das Therapiespektrum des Arztes: Ärzte können dank Biosimilars dann erstmals auch bei den Biopharmazeutika auf absolut gleichwertige, aber günstigere Arzneimittel zurückgreifen.

Im Jahr 2015 liefen mit einem Umsatzvolumen von 1,34 Mrd. Euro mehr biopharmazeutisch hergestellte Arzneimittel aus dem Patent als die bisher üblichen chemisch synthetisierten. Das betrifft vor allem die sogenannten Antikörper, die Patienten viele neue Behandlungsmöglichkeiten bringen. Die europäische Zulassungsbehörde EMA hat sich bereits erfolgreich auf die Zulassung biosimilarer Antikörper eingestellt. Obwohl seit Februar 2015 mit Infliximab und seit Februar 2016 mit Etanercept zwei erste biosimilare monoklonale Antikörper auf dem deutschen Markt sind, ist das deutsche Gesundheitssystem auf die Biosimilars noch nicht entsprechend vorbereitet.

Dabei hängt die Finanzierbarkeit der Arzneimittelversorgung in Zukunft ganz maßgeblich davon ab, dass es nach dem Ende des Patentschutzes der Biopharmazeutika zu Wettbewerb kommt. Wettbewerb entsteht nur durch den Markteintritt von Biosimilars und nur der Wettbewerb führt zu sinkenden Preisen, ohne die eine nachhaltige Arzneimittelversorgung in diesem wichtigen Bereich dauerhaft nicht zu finanzieren wäre.

Biosimilars können dann Patienten nachhaltigen Zugang zu modernsten Therapien ermöglichen. Daher muss es darum gehen, die Benachteiligung, die Biosimilars im heutigen Regulierungsdschungel des Gesundheitssystems erfahren, aus dem Weg zu räumen.