Antibiotika

92 % der verordneten Antibiotika in der stationären Versorgung sind Generika

  • Der Großteil der verordneten systemischen Antibiotika sind Generika: 97 % der verordneten Mengen (DDD) in der ambulanten und 92 % in der stationären Versorgung (2016).
  • Die Marktentwicklung ist durch starken Preisdruck gekennzeichnet, in der ambulanten Versorgung zudem durch steigende Anbieterkonzentration infolge von Rabattverträgen.
  • Hierdurch verringern sich die Chancen, dass bei Lieferengpässen eines Antibiotikaherstellers gleichwertige Ausweichpräparate verfügbar sind.

Versorgung mit Antibiotika überwiegend durch Generika

Die Versorgung mit systemischen Antibiotika entfällt ganz überwiegend auf Generika: In der ambulanten Versorgung hatten sie im Jahr 2016 einen Anteil von 97 % an den verordneten Mengen, in der stationären Versorgung 92 % (Abb. 1). In den elf Jahren davor ist der Antibiotikaverbrauch in der ambulanten Versorgung – entgegen einer verbreiteten Wahrnehmung – weitgehend konstant geblieben. In der stationären Versorgung ist der Antibiotikaverbrauch dagegen stark gestiegen, in den letzten Jahren jedoch mit deutlich reduzierter Dynamik. Parallel hierzu hat sich der Generikaanteil um 42 Prozentpunkte erhöht, so dass trotz Verbrauchszunahme die Ausgaben seit dem Jahr 2011 zurückgegangen sind.

Sinkende Preise bei steigendem Generikaanteil

Mit den gestiegenen Generikaanteilen an der Versorgung ist das Preisniveau (Umsatz je DDD) der systemischen Antibiotika stark gesunken (-50 % stationär und -38 % ambulant im Zeitraum 2005-2016; Abb. 2). In der stationären Versorgung liegt das Preisniveau der Antibiotika weiterhin 4- bis 6-fach höher als in der ambulanten. Wesentliche Ursache hierfür ist der größere Anteil parenteraler Darreichungsformen im stationären Bereich, welche aufgrund ihrer intravenösen Anwendung deutlich höhere Anforderungen an den Produktionsprozess stellen (z. B. Sterilität).

In beiden Sektoren besteht für die Anbieter von Generika ein erheblicher Preisdruck. In der ambulanten Antibiotikaversorgung fallen mittlerweile rd. zwei Drittel der verordneten Mengen von Generika unter Rabattverträge. Der Arzneimitteleinkauf durch Krankenhäuser ist stark von Einkaufsgemeinschaften und Ausschreibungen geprägt.

Rückläufige Anbieterzahl und steigende Marktkonzentration

Im ambulanten Sektor ging diese Entwicklung mit einer rückläufigen Anbieterzahl und einer steigenden Marktkonzentration auf Ebene der einzelnen Wirkstoffmärkte einher. Maßgeblich hierfür waren die Rabattsegmente (Abb. 3): Zwischen 2008 und 2015 hat sich die durchschnittliche Zahl der Wirkstoffanbieter im Rahmen von Rabattverträgen halbiert, bei über einem Drittel der Rabattausschreibungen wurde jeweils nur ein Exklusivpartner gesucht.

Im stationären Bereich ist die Anbieterzahl dagegen im Zeitraum 2005-2010 deutlich gestiegen und die Marktkonzentration gesunken, liegt aber immer noch höher als im ambulanten Sektor. Zuletzt gab es hier nur noch relativ geringe Änderungen.

Risiko von Lieferengpässen steigt

In den letzten Jahren hat die Anzahl der in Deutschland gemeldeten Lieferengpässe für Antibiotika, die überwiegend in der stationären Versorgung eingesetzt werden, zugenommen. Hierfür gibt es eine Reihe von Ursachen. Die Risiken für Lieferengpässe haben sich z. B. durch die aufgezeigten Marktentwicklungen erhöht.

Der starke Preisdruck, rückläufige Anbieterzahlen und steigende Marktkonzentration verringern die Chance, dass bei Lieferengpässen eines Herstellers gleichwertige Ausweichpräparate verfügbar sind. Bislang waren zwar stets Alternativwirkstoffe vorhanden, sie sind jedoch meist nicht vollkommen gleichwertig. Speziell in der Antibiotikaversorgung unterscheidet sich die Breite der Wirkspektren zwischen den Wirkstoffen, Ausweichreaktionen können das Ziel eines rationalen Antibiotikaeinsatzes untergraben. Im stationären Bereich setzt sich der starke Preisdruck unvermindert fort, obwohl seit dem Jahr 2010 Anbieterzahl und Generikaanteil nicht mehr stark zugenommen haben. Wegen der hohen Anforderungen an die Herstellung parenteraler Lösungen erschwert der fortgesetzte Preisdruck zunehmend die Vorhaltung von Reservekapazitäten in der Produktion.

Wert der Generika_Antibiotika_komplett
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