Generikamarkt in Deutschland – Marktdaten 2011

Das Jahr 2011 zeichnet sich insgesamt durch einen rückläufigen Arzneimittelumsatz in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus. Der Gesamtumsatz sank um 2 % auf 30,16 Mrd. Euro (Apothekenverkaufspreis unter Berücksichtigung der gesetzlichen Zwangsabschläge der Hersteller und Apotheken, AVP Real). Die Zahl der verkauften Packungen blieb dagegen mit 683 Mio. Packungen nahezu konstant.

Mit gesetzlichen Zwangsabschlägen in Höhe von fast 2,3 Mrd. Euro erbrachten die
Pharmaunternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr einen massiven Sparbeitrag für das deutsche Gesundheitswesen. Der Umsatzanteil der Generika im GKV-Markt stagnierte nahezu bei 29 % (gemessen am AVP Real). Gleichzeitig erhöhte sich der Absatzanteil der Generika
im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % auf 440 Mio. Packungen. Generika hatten 2011 einen Anteil am gesamten GKV-Markt nach Packungen in Höhe von 65 %.

Betrachtet man jedoch die für die Unternehmen relevante Ebene des Herstellerabgabepreises, betrug der Umsatz der Generikaunternehmen im GKV-Markt sogar lediglich 22 % (4,2 Mrd. Euro, Herstellerabgabepreis unter Berücksichtigung der gesetzlichen Zwangsabschläge, HAP Real). Nicht berücksichtigt sind dabei die Rabatte aus den Rabattverträgen. Damit hat sich insgesamt auf dem Generikamarkt die Schere zwischen Umsatz und Absatz weiter geöffnet.

Generika im Vergleich zum patentfreien Altoriginal noch günstiger: Die Spannbreite der durchschnittlichen Herstellerabgabepreise in den unterschiedlichen Marktsegmenten hat sich in 2011 deutlich vergrößert: So kostete ein Generikum ab Werk und ohne Berücksichtigung von Rabattverträgen im Durchschnitt nur noch rund ein Drittel dessen, was für das wirkstoffgleiche A
ltoriginal fällig wurde. Diese erheblichen Preisunterschiede zwischen Generika und Altoriginalen
erklären auch das zusätzliche Einsparpotential von 3 Mrd. Euro, das im Jahr 2011 durch den vermehrten Einsatz von Generika hätte realisiert werden können.

Neuer Rekord bei den Einsparungen durch Generika

Dessen ungeachtet haben die Einsparungen der Krankenkassen, die sie aus dem Generikawettbewerb erzielten, die bisherige Rekordmarke von 10 Mrd. Euro aus dem Jahr 2010 geknackt. Denn im Jahr 2011 lagen die Einsparungen bei fast 13 Mrd. Euro.

Der nachhaltige Generikawettbewerb generiert damit ein Vielfaches der Einsparungen,
die sich aus den Generika-Rabattverträgen ergeben. Im Jahr 2011 beliefen sich die Einsparungen aus allen Rabattverträgen auf rund 1,6 Mrd. Euro. Allerdings hat das Rabattvertragssystem negative Begleiterscheinungen, die sich inzwischen verstärkt zeigen.

Hohe Marktkonzentration im Rabattvertragsmarkt

Im Rabattvertragsmarkt hat die Anzahl der Rabattverträge zwischen pharmazeutischen Herstellern und Krankenkassen 2011 mit über 16.000 einen neuen Höchststand erreicht. Diese Zunahme ist mit der gestiegenen Anzahl von wirkstoffbezogenen Rabattverträgen zu erklären. Der Marktanteil der Rabattverträge nach Absatz hat sich gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte auf 61 %
erhöht.

Auffällig ist die hohe Marktkonzentration im Marktsegment mit Rabattvertrag – gemessen an der Verteilung von Umsatzanteilen auf die Anzahl der beteiligten Unternehmen. Im Marktsegment mit Rabattverträgen entfallen 74 % des Absatzes auf die Top 10 Hersteller. Zum Vergleich: Im Marktsegment ohne Rabattvertrag vereinigen diese 10 Hersteller nur 33 % Marktanteil auf sich.

Auf noch wesentlich höherem Niveau liegt die Marktkonzentration in exklusiven Ausschreibungen nach dem Modell der AOK. Das Berliner IGES Institut hat exklusiv für Pro Generika für die 6. Tranche der AOK-Ausschreibungen errechnet, dass allein 97 % des voraussichtlichen Jahresumsatzes (AVP) der entsprechenden Wirkstoffe auf nur 10 Hersteller entfällt.

Behinderung des Wettbewerbs durch Rabattverträge nach Patentablauf

Zunehmende Bedeutung erlangten im Jahr 2011 die Rabattverträge der Krankenkassen über patentgeschützte Präparate. Deren Umsatzanteil am Rabattvertragsmarkt liegt mittlerweile bei 30 % (1,4 Mrd. €).

Tragen diese Verträge während der Laufzeit des Patentschutzes zu gesundheitspolitisch wünschenswerten Einsparungen der Krankenkassen bei, ändert sich die Situation mit Patentablauf und Markteintritt der Generika grundlegend. Denn beansprucht ein patentgeschütztes Arzneimittel durch den Patentschutz eine Quasi-Alleinstellung und ist daher relativ geringem Wettbewerb ausgesetzt, kann ein Arzneimittel mit dem Ablauf eines Patents von mehreren Unternehmen
angeboten werden. Das löst intensiven Wettbewerb aus und führt nach dem Patentablauf
u. a. rasch zu einer hohen Marktdurchdringung von Generika.

Hat jedoch ein Erstanbieter einen Rabattvertrag, der über den Patentablauf hinausgeht, kommt es zu einer Hemmung des generischen Wettbewerbs, da die Marktdurchdringung von Generika behindert wird. Studien wie die IGES-Studie „Generika in Deutschland: Wettbewerb fördern – Wirtschaftlichkeit stärken“ (2011) belegen zusätzlich aus wissenschaftlicher Sicht, dass die Rabattverträge des Erstanbieters nach Patentablauf zu einer messbar sinkenden Wettbewerbsintensität führen. Weniger Wettbewerb ist das Ergebnis – ausgerechnet durch das
Instrument des Rabattvertrags, das doch zu mehr Wettbewerb führen sollte.

Wachstumsimpulse für Biosimilars

Der Markt der Biosimilars entwickelt sich nur langsam. Der GKV-Markt der biopharmazeutischen Arzneimittel umfasst ein Umsatzvolumen von gut 3,8 Mrd. Euro (HAP Real). Davon sind aktuell nur knapp 4 % mit einem Umsatz in Höhe von 150 Mio. Euro dem biosimilarfähigen Markt zuzuordnen, wovon wiederum 103 Mio. Euro bei den Altoriginalen verbleiben und nur 46,8 Mio. Euro auf die
Biosimilars entfallen.

Die Perspektiven für eine nachhaltige Versorgung der Patienten mit Biosimilars in Deutschland sind insgesamt gut. In den kommenden Jahren werden viele hochwirksame und umsatzstarke Biopharmazeutika ihren Patentschutz verlieren, darunter z. B . Insuline, Interferone zur Therapie von Multipler Sklerose, und monoklonale Antikörper zum Einsatz in der Rheumatologie, in der Onkologie oder bei Autoimmunerkrankungen. Bis zum Jahr 2020 rechnet das Berliner IGES Institut daher mit potentiellen Einsparungen durch

 

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