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Marktdaten 2008/2009


Damoklesschwert Rabattverträge

Das Thema „Rabattverträge“ besitzt für die Generikaindustrie wegen der auf dem Vormarsch befindlichen Wirkstoffverträge mittlerweile existenzielle Bedeutung. Entweder das Unternehmen erhält einen Zuschlag, der ihm auf Zeit ein bundesweites oder regional begrenztes Liefermonopol für einen Wirkstoff einräumt, oder es wird (zumindest) für die Laufzeit des Vertrages vom Markt ausgeschlossen.

Der dadurch entfesselte Wettbewerb zerstört nach Auffassung des Präsidenten des Bundeskartellamts, Bernhard Heitzer, die Struktur des Generikamarkts: „Kassen erzwingen in Rabattverträgen Preise, die im normalen Wettbewerb nicht möglich wären.“ Die Industrie kommentiert die Situation wie folgt: „Die Rabattverträge haben sich zu einem Instrument der Kassen entwickelt, das rationale Preisbildung verhindert und ein Spiel ohne Gewinner ist“ (Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender von Pro Generika). Selbst einer der „Gewinner“ der letzten AOK-Ausschreibung, Peter Krcmar (KSK) ist wohl kein Freund von Rabattverträgen: „Mit Rabattverträgen hat die Politik – nicht die Krankenkassen – die Büchse der Pandora geöffnet. Die Generika-Industrie geht dabei langfristig drauf.“

Die Politik hat für die nächste Legislaturperiode parteiübergreifend die längst überfällige Deregulierung des GKV-Arzneimittelmarkts in Aussicht gestellt. Sie sollte sich dabei auch rasch dazu durchringen, die Rabattverträge wieder abzuschaffen. Geschieht das nicht, wird der Markt unter ihrem Druck binnen kurzem irreversible Fakten schaffen. Unter anderem wird der pharmazeutische Mittelstand zerrieben sein und die Großen der Branche, die durchweg international aufgestellt sind, werden den nationalen Markt mit Generika versorgen, die in Billigstandorten produziert worden sind.

Die neue Bundesregierung muss Farbe bekennen: Sind ihr Tiefstpreise für Generika wichtiger als eine leistungsfähige Generikaindustrie, die ihren Heimatmarkt mit Arzneimitteln versorgt, die schon im Juni 2006, also noch vor den Rabattverträgen, im Mittel weniger kosteten als die Generika in den anderen europäischen TOP 5-Märkten Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien? Bis zum Jahresende 2008 gingen die deutschen Listenpreise nach überschlägigen Berechnungen im Durchschnitt überdies nochmals um rund 20% zurück.

Nota bene: Die stetig steigenden Arzneimittelausgaben der Krankenkassen sind nicht den preisgünstigen Generika geschuldet. Wer sie in den Griff bekommen will, muss den Hebel im Segment der patentgeschützten Medikamente ansetzen.

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letzte Änderungen: 18.1.2011 13:04