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Juni 2010


Kurzanalyse Entwicklung im GKV-Arzneimittelmarkt
im Juni 2010

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1. Umsatz (Netto-Apothekenverkaufspreis) - Datenbasis: IMS HEALTH

Im ersten Halbjahr 2010 hat die GKV für die Arzneimittelversorgung netto, d. h. nach Abzug der Hersteller- und Apotheken-abschläge, jedoch ohne Berücksichtigung von Patientenzuzahlungen und Rückflüssen aus Rabattverträgen, rund 14,6 Mrd. Euro ausgegeben. Das entspricht gegenüber der Vorjahresperiode einem Zuwachs von 529 Mio. Euro (+3,8 %). Der Umsatz der patentgeschützten Arzneimittel stieg gegenüber dem Zeitraum vom Januar zum Juni 2009 um 708 Mio. Euro (9,2 %) auf 8,42 Mrd. Euro. Der Umsatz im generikafähigen Markt ist hingegen um -179 Mio. Euro (-2,8 %) auf 6,14 Mrd. Euro geschrumpft. Der moderate Umsatzanstieg im Generikamarkt von 39 Mio. Euro (+0,9 %) auf 4,15 Mrd. Euro wird durch den Umsatzabsturz der patentfreien Erstanbieterprodukte von -218 Mio. Euro (-9,9 %) auf 1,99 Mrd. Euro verstärkt. Der Umsatzanteil der patentgeschützten Arzneimittel betrug von Januar bis Juni 2010 58 %. Dieser Entwicklung korrespondierend betrug der Wertanteil der generikafähigen Arzneimittel 42 %.

download Umsatzentwicklung einzelner Segmente_Jan-Juni10 (pdf) (77.3 KB)

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2. Absatz - Datenbasis: IMS HEALTH

Der Absatz im GKV-Gesamtmarkt ist gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um knapp 1,2 Mio. Packungseinheiten (PE) auf 335 Mio. PE zurückgegangen. Dies entspricht einer Abnahme um -0,4 %. Der Rückgang beruht zum einen auf dem Minderabsatz von 2,9 Mio. PE (-1,1 %) im generikafähigen Markt. In diesem Marktsegment wurden im Untersuchungszeitraum 261,8 Mio. PE verordnet und abgegeben. Dabei blieb der Generikaabsatz bei einer Zunahme von 2,2 Mio. PE (0,9 %) auf 212 Mio. PE nahezu konstant, während bei den patentfreien Erstanbieterprodukten erneut ein Mengeneinbruch zu verzeichnen war. Der Absatz dieser Arzneimittel ging um fast
5,1 Mio. PE (-9,3 %) auf 49,7 Mio. PE zurück. Der Absatz der patentgeschützten Arzneimittel stieg gegenüber dem Januar bis Juni2009 um 1,7 Mio. PE (+2,3 %) auf 73,6 Mio. PE. Der Absatzanteil der patentgeschützten Arzneimittel belief sich im Zeitraum vom Januar bis zum Juni 2010 auf 22 %. Der Absatzanteil der generika-fähigen Arzneimittel betrug 78 %.

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3. Generikaquoten - Datenbasis: IMS HEALTH

a) Absatz
Die Generikaabsatzquote hat im GKV-Gesamtmarkt im Zeitraum vom Januar bis zum Juni 2010 63% erreicht. Dies entspricht einer Steigerung von 1 Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im generikafähigen Markt beträgt die Generikaabsatzquote 81 % (Januar bis Juni 2009: 79 %). Dies entspricht einer Steigerung von 2 Prozentpunkten.

b) Umsatz
Der Wertanteil der Generika hat sich im Analysezeitraum gegenüber der Vorjahresperiode 2009 negativ verändert. Er beläuft sich auf 28,5 % zum Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP) und liegt damit unter dem Vorjahreswert von 29,3%. Der Wertanteil zum Netto-Herstellerabgabepreis (Netto-HAP) beträgt 20,8 % und liegt damit unter der Vorjahresperiode von 21,7%.

Generika decken mit ihrem Verordnungsanteil von knapp zwei Dritteln die „Grundlast“ der GKV-Arzneimittelversorgung. Aus Finanzsicht verursachen Generika hingegen weniger als ein Drittel der Ausgaben, welche die Krankenkassen für die Pharmakotherapie ihrer Versicherten aufwenden.

download Generikaquote_Jan-Juni10 (pdf) (59.4 KB)



4. Einsparvolumina - Datenbasis: IMS HEALTH

Generika haben die GKV allein im ersten Halbjahr 2010 um 4,333 Mrd. Euro entlastet. Dieser Einsparbeitrag entspricht 0,4 Beitragssatzpunkten. Die nicht ausgeschöpfte Effizienzreserve betrug 1,016 Mrd. Euro.

Im theoretischen Fall der kompletten Substitution patentfreier Erstanbieterprodukte durch Generika würde die GKV 2010 mithin um insgesamt 10,699 Mrd. Euro (1,0 Beitragssatzpunkte) entlastet. Der Effizienzgewinn der GKV im Generikamarkt beruht auf der stetigen Zunahme der Verordnung und Abgabe von Generika einerseits (vgl. Tz. 2) und der Preisdifferenz zwischen patentfreien Erstanbieterprodukten und Generika andererseits (vgl. Tz. 5).

Das Einsparvolumen von 4,333 Mrd. Euro im Analysezeitraum wurde auf der Basis der Listenpreise ermittelt. Die tatsächliche Entlastung der GKV durch Generika geht indes deutlich darüber hinaus. Denn die GKV profitiert zudem von Rabattverträgen, die Krankenkassen nach § 130a Abs. 8 SGB V mit pharmazeutischen Unternehmern geschlossen haben. Sie zahlt letztlich Preise, die die Listenpreise generell (Sorti-mentsverträge) oder partiell (Wirkstoffverträge) unterschreiten. Rabattvertragspartner der Krankenkassen sind aber fast durchweg Generikahersteller. 95,6 % der Arzneimittel, die im Rahmen von Rabattverträgen verordnet und abgegeben werden, sind nämlich Generika (vgl. Tz 9).

Die zusätzlichen Einsparungen, die die GKV durch Rabattverträge erzielt hat, können derzeit jedoch nicht beziffert werden. Die Rabattkonditionen werden von den Vertragspartnern aus guten Gründen geheim gehalten, die die Rabatte deshalb auch bilateral und direkt miteinander abrechnen. Nach einer zum 01.07.2008 in Kraft getretenen Änderung des Kontenrahmens der GKV ist aber sichergestellt, dass zumindest das Gesamtvolumen der Rückflüsse aus den Rabattverträgen ab dem 2. Halbjahr 2008 auf den Tisch kommt. Valide und belastbare Daten über die Einnahmen der Krankenkassen aus den Vereinbarungen nach § 130a Abs. 8 SGB V liegen bisher jedoch noch nicht vor (Stand September 2010).
Fest steht: Die stetig steigenden Arzneimittelausgaben der Krankenkassen sind nicht den preisgünstigen Generika geschuldet. Wer sie in den Griff bekommen will, muss den Hebel im Segment der patentgeschützten Medikamente ansetzen.

download Einsparvolumina_Jan-Juni10 (pdf) (857.9 KB)



5. Durchschnittspreise - Datenbasis: IMS HEALTH

Der Netto-Durchschnitts-AVP der patentgeschützten Arzneimittel lag im Juni 2010 bei 119,38 Euro. Der durchschnittliche Netto-HAP dieser Produkte belief sich auf 85,02 Euro. Der Netto-Durchschnittspreis patentfreier Erstanbieterprodukte betrug 39,92 Euro (AVP) bzw. 24,46 Euro (HAP). Generika kosteten in der Apotheke im Mittel 19,81 Euro, ihre Hersteller erlösten durchschnittlich 9,20 Euro. Der durchschnittliche Netto-Preisabstand zwischen patentfreien Erstanbieterprodukten und Generika betrug im Juni 2010 20,11 Euro (AVP) bzw. 15,26 Euro (HAP). Der Netto-AVP eines patentfreien Erstanbieterproduktes war demnach im Durchschnitt doppelt so hoch wie der eines Generikums. Betrachtet man den Herstellerabgabepreis, beläuft sich der Steigerungsfaktor sogar auf 2,7.

Der durchschnittliche Netto-AVP einer GKV-Verordnung lag im Juni 2010 bei 44,61 Euro. Trotz des hohen Absatzanteils niedrigpreisiger Generika bewirken die hochpreisigen Produkte der anderen Segmente eine deutliche Verschiebung zuungunsten der GKV. So liegt der durchschnittliche Netto-AVP einer GKV-Verordnung um 24,80 Euro oder den Faktor 2,3 über dem durchschnittlichen Netto-AVP der zu Lasten der GKV abgegebenen Generika.

download AVP und HAP_einzelne Segmente_Jan-Juni10 (pdf) (69.2 KB)

download Netto-HAP_Jan-Juni10 (pdf) (101.4 KB)



6. Entwicklung der Erlöse (Preisbasis: Netto-HAP) - Datenbasis: IMS HEALTH

Der Nettoumsatz oder Nettoerlös errechnet sich aus der Summe der mit dem Netto-HAP (Herstellerabgabepreis) bewerteten Absatzmengen von Arzneimittelpackungen. Der Netto-HAP entspricht dem HAP (Listenpreis) ohne Umsatzsteuer nach Abzug der Herstellerabschläge. Im GKV-Markt erzielten die pharmazeutischen Unternehmen von Januar bis Juni 2010 einen Umsatz von 9,125 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 4,6 % oder 392 Mio. Euro. Mit 6 Mrd. Euro (66 %) kassierten die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel wiederum den Löwenanteil dieses Betrages. Sie konnten ihren Erlös gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres dabei um 9,7 % (+530 Mio. Euro) steigern. Den Herstellern patentfreier Erstanbieterprodukte flossen 1,223 Mio. Euro zu. Ihr Erlös schrumpfte somit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um -10,2 % (-138 Mio. Euro). Die Generikahersteller nahmen von Januar bis Juni 2010 zu Listenpreisen rund 1,924 Mrd. Euro ein. Ihre Erlöse blieben damit nahezu konstant (10 Mio. Euro). Die von der Generikaindustrie mit den Krankenkassen abgeschlossenen Rabattverträge sind nicht berücksichtigt.

download Entwicklung der Erlöse_Jan-Juni10 (pdf) (74.1 KB)



7. Wertschöpfungsanteile im Generikamarkt – Datenbasis: eigene Berechnungen

Ohne Berücksichtigung des Hersteller- und Apothekenabschlags sowie der Arzneimittelzuzahlungen der Patienten haben die Krankenkassen für ein Generikum im Juni 2010 im Mittel 21,81 Euro bezahlt (durchschnittlicher Brutto-AVP nach der aktuellen IMS HEALTH-Segmentierung des Generikamarktes). Wenn es sich bei diesem Durchschnittswert um den Preis eines einzelnen Produktes handelte, erlöste der Hersteller brutto 9,12 Euro. Sein Wertschöpfungsanteil beliefe sich demnach auf 41,8 %. Von den verbleibenden 12,69 Euro entfielen 9,21 Euro auf den Großhandels- und den Apothekenzuschlag (Wertschöpfungsanteil: 42,2 %) sowie 3,48 Euro auf die Mehrwertsteuer (Wertschöpfungsanteil: 16,0 %).

download Wertschöpfungsanteile_Juni10 (pdf) (876.9 KB)



8. Festbetragsmarkt – Datenbasis: eigene Berechnungen

Von Januar bis Juni 2010 haben die Krankenkassen für Festbetragsarzneimittel 5,4 Mrd. Euro ausgegeben. Das entspricht einem Anteil von 37,1 % an den GKV-Arznei-mittelausgaben. Ihr Absatzanteil beträgt 71,8 % (241 Mio. PE). Mithin bilden Festbetragsarzneimittel das Rückgrat der Arzneimittelversorgung.

Die Generika dominieren diesen Markt mit Anteilen von 61,8 % (3,3 Mrd. Euro) nach Umsatz und 78,9 % nach Absatz (190 Mio. PE) eindeutig.

Im Untersuchungszeitraum entfallen 80,4 % des GKV-Generikaumsatzes auf unter Festbetrag stehende Produkte; nur 19,6 % des Generikaumsatzes im GKV-Markt ist festbetragsfrei. Beim Absatz ist der Anteil der festbetragsgebundenen Generika mit 89,6 % sogar noch höher, festbetragsfrei sind lediglich 10,4 % des Absatzes.

Im Generikamarkt beträgt der Anteil der Festbetragsstufe 1 (FBS) nach Umsatz 36,3 % und nach Absatz 443,9 %; in der FBS 2 sind es nach Umsatz 36,9 % und nach Absatz 36,9 %. Für die FBS 3 lauten die entsprechenden Werte 7,9 % bzw. 8,8 %. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass das Gros der Arzneimittelrabatte (81,7 %) Generika betrifft, die mit einem Festbetrag belegt sind (vgl. 10).

Jede Änderung von Festbeträgen hat somit gravierende Auswirkungen auf die Generikaindustrie. Die Zuzahlungsfreistellungen, die es nur im Festbetragsmarkt gibt, haben den Preisverfall im Generikamarkt extrem beschleunigt. Bei Festbetragsanpassungen sinkt der Festbetrag auf bzw. sogar unter die bisherige Zuzahlungsfrei-stellungsgrenze, die neue Zuzahlungsfreistellungsgrenze liegt danach um mindestens 30 % unter dem früheren Limit. Die GKV kann das für sie kurzfristig lohnende Spiel, den Festbetrag immer wieder auf die Höhe der jeweiligen Zuzahlungsfreistellungsgrenze zu senken, in jeder Festbetragsgruppe aber nur sehr wenige Male spielen. Will sie zuviel, läuft sie Gefahr, wenig oder gar nichts zu bekommen, da die Unternehmen ihre Preise aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht auf die neuen Festbeträge bzw. Zuzahlungsfreistellungsgrenzen senken können. Die Zeche für eine solche verfehlte Preispolitik zahlen allerdings nicht die Krankenkassen, sondern die Patienten (wegfallende Zuzahlungsfreistellungen bzw. Aufzahlungen.

download Umsatzverteilung GKV-FB-Markt_Gesamt_Jan-Juni10 (pdf) (625.9 KB)

download Umsatzverteilung GKV-FB-Markt_Generika_Jan-Juni10 (pdf) (1012.8 KB)

download Absatzverteilung GKV-FB-Markt_Gesamt_Jan-Juni10 (pdf) (466.9 KB)

download Absatzverteilung GKV-FB-Markt_Generika_Jan-Juni10 (pdf) (936.0 KB)

download Generikaanteile am FB-Markt_Jan-Juni10 (pdf) (602.5 KB)

download Anteil der FB-AM am Generikamarkt_Jan-Juni10 (pdf) (594.7 KB)



9. Zuzahlungsfreistellungen - Datenbasis: INSIGHT Health

Die Zahl zuzahlungsfreier Arzneimittel auf Rezept ist auf einen Tiefstwert gesunken. Im Juni 2010 waren 9.422 Arzneimittel von der Zuzahlung freigestellt. Damit hat sich die Anzahl dieser Produkte gegenüber dem Vorjahresmonat um 1.840 Präparate (-16,3 %) verringert. Auf von der Zuzahlung freigestellte Medikamente entfiel im Juni 2010 ein Absatzanteil von 16,9 % des GKV-Marktes. Das waren 4 Prozentpunkte weniger als im Juni 2009. Von der Zuzahlung freigestellte Arzneimittel erzielten im GKV-Markt Umsatzanteile von 8,6 % (AVP) bzw. 6,3 % (HAP). Dies entspricht einer Abnahme von -3 Prozentpunkten (AVP) bzw. -3 Prozentpunkten (HAP) gegenüber dem Vorjahresmonat.

Bei fast allen von der Zuzahlung freigestellten Arzneimitteln handelte es sich um Generika; auf sie entfielen mit 9.240 freigestellten Produkten satte 98,1 % der zuzahlungsfreien Arzneimittel. Die von der Zuzahlung freigestellter Generika im Juni 2010 liegen im Gesamtvolumen noch immer um 3667 Präparate unter dem Stand vom März 2008 (12.907 freigestellte Präparate). Derzeit sind 21,8 Prozent aller aktiven generischen Handelsformen zuzahlungsfrei, im März 2009 waren es noch 32,1 %. Somit ist nur noch jede vierte Packung derzeit von der gesetzlichen Zuzahlung zugunsten der Krankenkassen befreit; im März war es noch jede dritte Packung gewesen. Grund dafür ist die die Anpassung von Festbeträgen und entsprechenden Zuzahlungsbefreiungsgrenzen durch den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung zum Monatsbeginn.

Die pharmazeutisch hochwertigen, sicheren, bewährten und preisgünstigen Generika entlasten also nicht nur die GKV in einem bislang nie da gewesenen Umfang (vgl. Tz 4), sondern sie schonen nach wie vor auch noch den Geldbeutel der Versicherten, wenn dies die Festbetragsanpassungen überhaupt zulassen.

Da die Patienten ihre Zuzahlung auf den Listenpreis leisten, die Krankenkasse aber einen geringeren Preis für rabattbegünstigte Arzneimittel bezahlt, fließen ihr die höheren Zuzahlungen auf den Bruttopreis zu, wenn die Produkte nicht gemäß § 31 Abs. 3 Satz 4 oder 5 SGB V von der Zuzahlung freigestellt sind oder der Patient nach § 62 Abs. 1 SGB V von der Zuzahlung befreit ist.

download Zuzahlungsfreie AM_Juni10 (pdf) (728.2 KB)



10. Rabattverträge - Datenbasis: INSIGHT Health

a) Rabattvertragsvolumen, Vertragspartner
Im Juni 2010 bestanden 12.048 Rabattverträge, an denen 166 Krankenkassen und 138 pharmazeutische Unternehmer beteiligt waren. Demnach hat sich die Anzahl der pharmazeutischen Unternehmer, die mit Krankenkassen kontrahiert hatten, gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,8 % erhöht. Die Anzahl der Rabattverträge nahm im Vergleich zur Vorjahresperiode um 49 % (3.961 Vereinbarungen) zu.

Gegenstand der 12.048 Rabattverträge waren 31.476 aktive Handelsformen, deren Anzahl sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.794 Produkte (+9,7 %) erhöhte. Auf der Basis der Pharmazentralnummer (PZN) waren im Juni 2010 2.256.083 Rabatte zu verzeichnen, was einem starken Rückgang von 118.208 Rabatten (-5 %) gegenüber dem Juni 2009 entspricht. Mithin existierten im Juni 2010 für jede aktive Handelsform durchschnittlich 72 Rabatte (Juni 2009: 82)

b) Rabatte auf Generika
2.157.220 Rabatte betrafen Generika, das waren 134.834 Rabatte weniger als im Juni 2009. Der Generikaanteil am Rabattgesamtvolumen liegt bei 95,6 %. Mit 1.762.728 Rabatten entfiel das Gros der Rabatte (81,7 %) auf Generika, die mit einem Festbetrag belegt waren. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich bei diesen Produkten ein Rückgang von 139.112 Rabatten (-7,3 %).

c) Rabatte auf patentfreie Erstanbieterprodukte
Im Juni 2010 waren auf PZN-Basis 38.421 Rabatte auf patentfreie Erstanbieterprodukte vereinbart. Dies entspricht einem verschwindend geringen Anteil von 1,7 % am Rabattgesamtvolumen. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Anzahl dieser Rabatte allerdings 1,2fach so hoch. Auch bei den patentfreien Erstanbieterprodukten betraf der Großteil der Rabatte (25.246) den Festbetragsmarkt; der Anteil der rabattierten festbetragsgebundenen patentfreien Erstanbieterprodukte lag mit 65,7 % jedoch deutlich unter dem der festbetragsgebundenen rabattierten Generika.

d) Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel
Auf PZN-Basis gab es im Juni 2010 23.562 Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel. Ihre Anzahl ist dem Vorjahresmonat gegenüber um 6.443 auf das 1,4fache gestiegen. Ihr Anteil am Rabattgesamtvolumen beträgt 1,0 %.

e) Ab- und Umsatz rabattierter Arzneimittel
Im Juni 2010 gaben die Apotheken 25.304.865 rabattierte Arzneimittel ab. Dies entspricht einem Absatzanteil von 45,6 % im GKV-Gesamtmarkt. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist der Absatz rabattierter Arzneimittel um 6,4 Prozent, das sind 1.514.132 Packungen gestiegen. Der Umsatz von Rabattarzneimitteln belief sich im Juni 2010 auf 646 Mio. Euro zu AVP bzw. 313 Mio. Euro zu HAP. Dies entspricht einer Veränderung von 16,4 % bzw. 23,4 %.

f) Rabattverträge im Generikamarkt
Rabattverträge wurden immer wieder als Verhandlungslösung zwischen Kassen und Herstellern bezeichnet. Dies ist ein Missverständnis. Denn bei Ausschreibungen darf der Hersteller nicht verhandeln, sondern kann lediglich im öffentlichen Vergabeverfahren ein Gebot abgeben. Die Gleichung „Vertrag ist gleich Verhandlung ist gleich Wettbewerb“ geht hier nicht auf.

Die Ausschreibungsmodalitäten sind kompliziert und für Kassen und Hersteller mit extrem hohem administrativen Aufwand verbunden. Zudem handelt es sich zum Beispiel im Vergleich zum Festbetragssystem um einen schwerer wiegenden Markteingriff: Ist erst einmal ein Rabattvertrag geschlossen, kommt dies wegen der Exklusivität der Vergabe einem faktischen Verkaufsverbot für die Nicht-Vertragspartner gleich. Zudem stattet der Gesetzgeber die Kassen dabei mit einer Marktmacht aus, die diese einseitig zu Lasten der Hersteller einsetzen können.

Zum Schutz des Mittelstands und um eine ausreichende Zahl von Anbietern im Markt zu erhalten, sollen die Modalitäten der Wirkstoffausschreibungen wettbewerblicher gestaltet werden. Dieses Ziel wird aber im Rahmen des zwingend vorgeschriebenen öffentlichen Vergabeverfahrens nicht erreicht werden können. Denn das Vergaberecht definiert und steuert einen Prozess, dient aber nicht dem Erhalt oder der Förderung von Wettbewerb. Daran können auch zusätzliche Regelungen nichts ändern.

download Anzahl der AM-Rabatte_Juni10 (pdf) (582.8 KB)



11. Strukturkomponente - Datenbasis: IMS HEALTH

a) Methodik
Die IMS HEALTH-Strukturkomponentenstudie wird auf der Grundlage des Brutto-AVP berechnet, Hersteller- und Apothekenabschläge werden mithin ebenso nicht heraus-gerechnet wie die Arzneimittelzuzahlungen der Patienten. Ausgeklammert sind zudem die Entlastungen, die für die Krankenkassen aus Rabattverträgen nach § 130a Abs. 8 SGB V resultieren.

Für die Studie hat IMS HEALTH den GKV-Markt in vier Segmente gegliedert (Segment 1: patentgeschützte Arzneimittel ohne Festbetrag; Segment 2: patentfreie Arzneimittel ohne Generikakonkurrenz und ohne Festbetrag; Segment 3: patentfreie Arzneimittel mit Generikakonkurrenz, aber ohne Festbetrag; Segment 4: Festbetragsarzneimittel).

Die Analyse untersucht sowohl den Intramedikamenteneffekt (Umsatzveränderungen, die auf Verordnungsveränderungen beruhen, die die Packungsgröße, die Dosis/
Wirkstärke oder die Darreichungsform identischer Präparate betreffen) als auch den Intermedikamenteneffekt (Umsatzveränderungen, die auf die Verordnung anderer Arzneimittel zurückzuführen sind; IMS HEALTH untersucht dabei Verschiebungen innerhalb der vier Marktsegmente, zwischen den vier Marktsegmenten sowie zwischen Indikationsgruppen).


b) im ersten Halbjahr 2010/Januar bis Juni 2010 (Preisbasis: Brutto-AVP)

GKV-Gesamtmarkt:
Auf der Basis des Brutto-AVP sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem Vorjahr per Saldo um 0,568 Mrd. Euro (3,8 %) auf 15,532 Mrd. Euro gestiegen. Dieser Saldo schlüsselt sich wie folgt auf:

* Die Strukturkomponente, deren Steigerungsrate 3,7 % beträgt, hat Mehrausgaben von 551 Mio. Euro bewirkt. Der Ausgabenanstieg geht mithin weit überwiegend auf ihr Konto.

* Die Packungsanzahl (Menge) schrumpfte um -0,4 % und führte zu Minderausgaben von 52,4 Mio. Euro.

* Im Untersuchungszeitraum stieg die Preiskomponente um moderate 0,5 %. Die Mehrkosten für die GKV betrugen 68,9 Mio. Euro.

* Die nachstehenden Detailanalysen der vier Marktsegmente belegen, dass der größte Druck auf die Arzneimittelausgaben der GKV (auch) im ersten Quartal 2010 von den patentgeschützten Arzneimitteln und den patentfreien Arzneimitteln ohne Generikakonkurrenz und ohne Festbetrag ausgegangen ist.

download Marktentwicklung im GKV-Gesamtmarkt_1.-2.Quartal 2010 (pdf) (595.3 KB)



Segment 1: Patentgeschützte Arzneimittel ohne Festbetrag:

Die Ausgaben in diesem Marktsegment sind um 490 Mio. Euro (13,8 %) auf 4,041 Mrd. Euro nach oben geschnellt. Dieser Zuwachs basiert sowohl auf der Struktur- als auch auf der Preis- als auch auf der Mengenkomponente. Die Strukturkomponente ist um 1,1 % gestiegen, was zu Mehrausgaben von 38,6 Mio. Euro geführt hat. Der Verordnungsmengenzuwachs um 1,5 Mio. PE (10,3 %) hat ein Ausgabenplus von 366 Mio. Euro bewirkt. Er war damit der Hauptausgabentreiber in diesem Teilmarkt. Die um 2,4 % gewachsene Preiskomponente hat die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen um 85,37 Mio. Euro erhöht. In diesem Marktsegment machen sich nach wie vor vor allem die kontinuierlich steigenden Ausgaben für die besonders teuren Spezialpräparate und das Mengenwachstum bemerkbar.

download Marktsegment 1_Q1-Q2_2010 (pdf) (600.5 KB)



Segment 2: Patentfreie Arzneimittel ohne Festbetrag und ohne Generikakonkurrenz:

Der Umsatz in diesem Teilmarkt ist um -16 Mio. Euro (-2,3 %) auf 0,684 Mrd. Euro zurückgegangen. Die Strukturkomponente weist in diesem Marktsegment eine Wachstumsrate von 3,3 % auf, was einem Ausgabenanstieg von 23,1 Mio. Euro entspricht. Der Absatz ist um -6,6 % (-0,6 Mio. PE) rückläufig, woraus Minderausgaben von -46 Mio. Euro resultieren. Der Anstieg der Preiskomponente um 1 % spiegelt einen Ausgabenzuwachs von 7 Mio. Euro wider.

download Marktsegment 2_Q1-Q2_2010 (pdf) (865.7 KB)



Segment 3: Patentfreie Arzneimittel mit Generikakonkurrenz, aber ohne Festbetrag:

Der Umsatz in diesem Marktsegment betrug 4,773 Mrd. Euro, wobei die Ausgaben per Saldo um 297 Mio. Euro (6,6 %) wuchsen. Hauptursache des Ausgabenanstiegs war ein Wachstum der Strukturkomponente von 168,6 Mio. Euro (3,8 %). Die vom Faktor „Preis“ ausgehende Mehrbelastung der GKV belief sich auf 112,5 Mio. Euro (2,5 %), die Menge stieg um 0,4 Prozent auf 64 Mio. PE und bewirkte Mehrausgaben von 15,7 Mio. Euro. Die Daten dieses Teilmarktes indizieren die Marktdynamik: Denn dieser zum generikafähigen Markt gehörende Teilmarkt stellt eine Übergangsphase dar, die um- und absatzstarke Arzneimittel nach Patentablauf und vor Festsetzung eines Festbetrages durchlaufen. Einige Erstanbieter erhöhen ihre Preise nach Patentablauf, die meisten behalten ihre Preise aber entweder bei oder senken sie nur leicht, während der Preiswettbewerb im Generikamarkt noch seiner höchsten Intensität entgegen strebt. Der Zuwachs in der Strukturkomponente deutet darauf hin, dass im ersten Halbjahr 2010 einige Umsatzstarke und hochpreisige Arzneimittel ihren Patentschutz verloren haben.

download Marktsegment 3_Q1-Q2_2010 (pdf) (737.3 KB)



Segment 4: Festbetragsmarkt:

Als Ausgabenbremse fungierte hingegen einmal mehr der Festbetragsmarkt. Hier ist der Umsatz im ersten Halbjahr 2010 unter dem Strich um -203 Mio. Euro (-3,3 %) auf 6,034 Mrd. Euro gesunken. Die wesentliche Ursache dafür ist das um -2,2 % rück-läufige Preisniveau, das Minderausgaben von -136 Mio. Euro nach sich gezogen hat. Diese gravierende Entlastung wurde durch den Rückgang der Packungsmenge um 0,9 Prozent um -2,3 Mio. Packungen oder -58 Mio. Euro noch verstärkt. Die Strukturkom-ponente hat gegenüber dem Vorjahr zu Minderausgaben von -9,29 Mio. Euro (-0,1 %) geführt. Da der Festbetragsmarkt die angestammte Domäne der Generika ist, sind die dargestellten Entlastungen fast ausschließlich ihnen zu verdanken.

download Marktsegment 4_Q1-Q2_2010 (pdf) (597.4 KB)

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letzte Änderungen: 17.1.2012 17:09