Pro Generika e.V.
Unter den Linden 32-34
D-10117 Berlin
Tel: 030 - 81 61 60 9 - 0
Fax: 030 - 81 61 60 9 - 11
info@progenerika.de
logo

MemberNet-LOG IN

Seite drucken
Seite senden
Sitemap

August 2008


Kurzanalyse Entwicklung im GKV-Arzneimittelmarkt im Zeitraum Januar - August 2008

download Kurzanalyse August 2008 (pdf) (47.3 KB)

1. Umsatz (Netto-Apothekenverkaufspreis) - Datenbasis: IMS HEALTH

Vom Januar bis zum August 2008 hat die GKV für die Arzneimittelversorgung netto, d.h. nach Abzug der Hersteller- und Apothekenabschläge, jedoch ohne Berücksichtigung von Patientenzuzahlungen und Rückflüssen aus Rabattverträgen, rund 17,8 Mrd. Euro ausgegeben. Das entspricht einem Plus von 953 Mio. Euro (5,7%) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Der Ausgabenzuwachs setzt sich per Saldo aus Mehrausgaben von 1,214 Mrd. Euro für patentgeschützte Produkte und Präparate ohne Generikakonkurrenz und Minderausgaben von 261 Mio. Euro im generikafähigen Markt zusammen. Der Umsatz der patentgeschützten Pro-dukte und der Präparate ohne Generikakonkurrenz ist gegenüber dem Zeitraum vom Januar bis zum August 2007 um 12,6% auf 10,9 Mrd. Euro gestiegen. Der Umsatz im generikafähi-gen Markt ist hingegen um 3,6% auf 6,9 Mrd. Euro geschrumpft. Die Umsatzsteigerung im Generikamarkt von 330 Mio. Euro (6,9%) auf 5,1 Mrd. Euro reichte nicht aus, um den Umsatzabsturz der patentfreien Erstanbieterprodukte von 591 Mio. Euro (-24,4%) auf 1,8 Mrd. Euro zu kompensieren. Der Trend, dass der Generikaumsatz zunimmt, hält somit an.

Der Umsatzanteil der patentgeschützten Arzneimittel/Arzneimittel ohne Generikakonkur-renz betrug im Analysezeitraum wie in der Zeit vom Januar bis zum August 2007 61%. Die-ser Entwicklung korrespondierend blieb auch der Wertanteil der generikafähigen Arznei-mittel mit 39% konstant.

download Umsatzverteilung Netto-AVP (Jan-Aug 08) (pdf) (63.3 KB)

download Umsatzentwicklung in den einzelnen Segmenten (Jan-Aug08) (pdf) (76.5 KB)

2. Absatz - Datenbasis: IMS HEALTH
Der Absatz im GKV-Gesamtmarkt hat sich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um ca. 10 Mio. Packungseinheiten (PE) auf 438 Mio. PE erhöht. Dies entspricht einem Zu-wachs von 2,3%. Er beruht überwiegend auf dem Mehrabsatz von 8 Mio. PE (2,6%) im gene-rikafähigen Markt. In diesem Marktsegment wurden im Untersuchungszeitraum 315 Mio. PE verordnet und abgegeben. Während sich der Generikaabsatz um 20,5 Mio. PE (8,3%) auf 268 Mio. PE vergrößerte, war bei den patentfreien Erstanbieterprodukten erneut ein Mengen-einbruch zu verzeichnen. Der Absatz dieser Arzneimittel ging um 12,5 Mio. PE (-21,2%) auf 47 Mio. PE zurück. Der Absatzzuwachs in diesem Marktsegment ist mithin allein den Generika geschuldet. Ihr starkes Mengenwachstum deutet darauf hin, dass erst Generika Ärzte in die Lage versetzen, alle Patienten leitliniengerecht mit dem jeweiligen Wirkstoff zu versorgen. Im Markt der patentgeschützten Arzneimittel/Arzneimittel ohne Generikakon-kurrenz stieg der Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2 Mio. PE (1,6%) auf 124 Mio. PE.

Der Absatzanteil der patentgeschützten Arzneimittel/Arzneimittel ohne Generikakonkurrenz belief sich vom Januar bis zum August 2008 auf 28%, er unterschritt den Wert des Vorjahreszeitraums damit um drei Prozentpunkte. Demgegenüber wuchs der Absatzanteil der generikafähigen Arzneimittel um drei Prozentpunkte auf nunmehr 72%.


download Absatzverteilung Jan- Aug 08 (pdf) (61.0 KB)

3. Generikaquoten - Datenbasis: IMS HEALTH

a) Absatz

Die Generikaquote im GKV-Gesamtmarkt hat im Untersuchungszeitraum den Rekordwert von 61% behauptet, den sie in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 erstmals erreicht hat-te. Das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im generikafä-higen Markt behauptete die Generikaquote ihr im Januar 2008 erreichtes Allzeithoch von 85%. (Januar bis August 2007: 82,2%).

b) Umsatz
Der Wertanteil der Generika beläuft sich im Untersuchungszeitraum auf 29% (Januar bis August 2007: 28%) zum Netto-Apothekenverkaufspreis (Netto-AVP) und auf 22% (Januar bis August 2007: ebenfalls 22%) zum Netto-Herstellerabgabepreis (Netto-HAP).
Generika decken also mit ihrem Verordnungsanteil von knapp zwei Dritteln die „Grundlast“ der GKV-Arzneimittelversorgung, verzehren aber deutlich weniger als ein Drittel der fi-nanziellen Ressourcen, die die Krankenkassen für die Pharmakotherapie ihrer Versicherten aufwenden.

download Generikaquote (Jan-Aug 08) (pdf) (53.0 KB)

4. Einsparvolumina - Datenbasis: IMS HEALTH
Generika haben die GKV im Untersuchungszeitraum um fast 5,4 Mrd. Euro entlastet. Dieser Einsparbeitrag entspricht ungefähr 0,55 Beitragssatzpunkten. Die nicht ausgeschöpfte Ef-fizienzreserve beträgt 943 Mio. Euro. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden die Ein-sparungen der GKV die Größenordnung von 8,1 Mrd. Euro erreichen. Das wäre ein neuer Einsparrekord, der den Krankenkassenbeitrag rechnerisch um 0,8 Beitragssatzpunkte ver-ringerte. Das nicht ausgeschöpfte Einsparpotential dürfte in etwa 1,4 Mrd. Euro betragen. Der Effizienzgewinn der GKV im Generikamarkt beruht einerseits auf der stetigen Zunahme der Verordnung und Abgabe von Generika (vgl. Tz. 2) und andererseits auf der Preisdiffe-renz zwischen patentfreien Erstanbieterprodukten und Generika, die sich im August 2008 erneut vergrößert hat (vgl. Tz. 5).

Das „offizielle“ Einsparvolumen von 5,4 Mrd. Euro im Analysezeitraum ergibt sich aus den Listenpreisen. Die tatsächliche Entlastung der GKV durch Generika geht indes deutlich dar-über hinaus. Denn die GKV profitiert zudem von Rabattverträgen, die Krankenkassen nach § 130a Abs. 8 SGB V mit pharmazeutischen Unternehmern geschlossen haben. Sie zahlt letzt-lich Preise, die die Listenpreise generell (Sortimentsverträge) oder partiell (Wirkstoffver-träge) unterschreiten. Rabattvertragspartner der Krankenkassen sind aber fast durchweg Generikahersteller. 97,7% der Arzneimittel, die im Rahmen von Rabattverträgen verordnet und abgegeben werden, sind nämlich Generika (vgl. Tz 9). Die zusätzlichen Einsparungen, die die GKV durch Rabattverträge erzielt haben, können derzeit jedoch nicht beziffert werden. Die Rabattkonditionen werden von den Vertragspartnern aus guten Gründen ge-heim gehalten, die die Rabatte deshalb auch bilateral und direkt miteinander abrechnen. Nach einer zum 01.07.2008 in Kraft getretenen Änderung des Kontenrahmens der GKV ist aber sichergestellt, dass zumindest das Gesamtvolumen der Rückflüsse aus den Rabattver-trägen ab dem 2. Halbjahr 2008 auf den Tisch kommt.

download Einsparvolumina (Jan-Aug 08) (pdf) (61.8 KB)

5. Entwicklung der Durchschnittspreise (August 2007/August 2008) - Datenbasis: IMS HEALTH
Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg der Netto-Durchschnitts-AVP der patentgeschützten Arzneimittel/Arzneimittel ohne Generikakonkurrenz im August 2008 um 18,00 Euro (22,9%) auf 96,61 Euro. Der durchschnittliche Netto-HAP dieser Produkte wuchs um 13,96 Euro (25,9%) auf 67,86 Euro. Ebenfalls deutlich erhöht haben sich die Netto-Durchschnitts¬preise für patentfreie Erstanbieterprodukte. Der AVP dieser Arzneimittel nahm um 6,41 Euro (18,9%) auf 40,41 Euro, ihr durchschnittlicher HAP um 4,31 Euro (20,6%) auf 25,19 Euro zu. Die Netto-Durchschnittpreise von Generika sind hingegen gefallen: Ihr AVP reduzierte sich um 0,10 Euro (0,5%) auf 19,40 Euro, ihr HAP um 0,07 Euro (0,8%) auf 9,25 Euro.

Der durchschnittliche Netto-Preisabstand zwischen patenfreien Erstanbieterprodukten und Generika betrug im August 2008 21,01 Euro (AVP) bzw. 15,94 Euro (HAP). Der Netto-AVP patentfreier Erstanbieterprodukte ist demnach mehr als doppelt so hoch (108,3%) wie der-jenige der Generika.

Der durchschnittliche Netto-AVP einer GKV-Verordnung lag im August 2008 mit 43,05 Euro um 3,66 Euro (9,3%) über dem Mittelwert vom August 2007 (39,39 Euro).

download AVP und HAP (Jan-Aug08) (pdf) (64.0 KB)

download Umsatzverteilung Netto-HAP (Jan-Aug 08) (pdf) (61.0 KB)

6. Entwicklung der Erlöse (Preisbasis: Netto-HAP) - Datenbasis: IMS HEALTH
Im GKV-Markt erzielten die pharmazeutischen Unternehmen im Untersuchungszeitraum ei-nen Erlös von 11,1 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,8%. Mit 7,6 Mrd. Euro (68%) kassierten die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel/patenfreier Arzneimittel ohne Generikakonkurrenz wiederum den Löwenanteil dieses Betrages. Sie konnten ihren Erlös gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres dabei um 930 Mio. Euro (14%) stei-gern.

Den Herstellern patentfreier Erstanbieterprodukte flossen 1,1 Mrd. Euro zu. Ihr Erlös schrumpfte somit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 367 Mio. Euro (-24,5%).

Die Generikahersteller nahmen vom Januar bis zum August 2008 2,4 Mrd. Euro ein. Sie konnten ihre Erlöse um 164 Mio. Euro (7,2%) steigern. Dieser Mehrerlös dürfte primär auf den um 8,3% gewachsenen Absatz zurückzuführen sein, wobei die Steigungsrate des Absat-zes die des Umsatzes um 15,3% übertrifft. Auch diese Relation belegt, dass die Preiserosi-on im Generikamarkt anhält. Hinzu kommt, dass die Erlöse der Unternehmen um die nach wie vor nicht quantifizierbaren Rabatte nach § 130a Abs. 8 SGB V zu verringern sind. Der Erlöszuwachs von 164 Mio. Euro wäre jedenfalls dann bereits komplett aufgezehrt, wenn die pharmazeutischen Unternehmen den Krankenkassen auf ihr gesamtes Sortiment einen Rabatt von 6,5% auf den HAP eingeräumt hätten.

download Erlösentwicklung (Jan-Aug 08) (pdf) (72.7 KB)

7. Wertschöpfungsanteile im Generikamarkt (August 2008)

Ohne Berücksichtigung des Hersteller- und Apothekenabschlags sowie der Arzneimittelzu-zahlungen der Patienten haben die Krankenkassen für ein Generikum im August 2008 im Mittel 21,60 Euro bezahlt (durchschnittlicher Brutto-AVP). Wenn es sich bei diesem Durch-schnittswert um den Preis eines einzelnen Produktes handelte, erlöste der Hersteller brut-to 8,95 Euro. Sein Wertschöpfungsanteil beliefe sich demnach auf 41,4%. Von den verblei-benden 12,65 Euro entfielen 9,20 Euro auf den Großhandels- und den Apothekenzuschlag (Wertschöpfungsanteil: 42,6%) sowie 3,45 Euro auf die Mehrwertsteuer (Wertschöpfungs-anteil: 15,1%).

download Wertschöpfungsanteile (Jan-Aug 08) (pdf) (77.8 KB)

8. Zuzahlungsfreistellungen (August 2007/August 2008)
- Datenbasis: INSIGHT HEALTH


Im August 2008 waren 9.872 Arzneimittel von der Zuzahlung freigestellt. Damit hat die Anzahl dieser Produkte gegenüber dem Vorjahresmonat um 1.774 Präparate (15,2%) verringert. Für diese Arzneimittel müssen die Patienten seit Juni 2008 wieder eine Zuzahlung leisten. Für die gesetzlich Krankenversicherten ist die Arzneimittelversorgung also teurer geworden.

Schuld daran sind aber nicht et¬wa Preisanhebungen der pharmazeutischen Unternehmen. Die Verantwortung tragen vielmehr allein die Spitzenverbände der gesetzlichen Kranken-kassen, die zum 1. Juni 2008 die Festbeträge (das sind die Höchstpreise, die die Kassen für die betreffenden Arzneimittel zahlen) für 59 und die Zuzahlungsfreistellungsgrenzen für 47 Festbetragsgruppen im Mittel um 30% gesenkt haben. Die jetzt wirksam gewordenen Festbeträge bewegen sich daher vielfach auf dem Level der bis Mai 2008 geltenden Zuzahlungsfreistellungsgrenzen, die neuen Zuzahlungsfreistellungslinien unterschreiten die neuen Festbeträge nochmals um mindestens 30 Prozent. Viele Hersteller konnten diese Vorgaben aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr erfüllen und haben ihre Preise nicht auf die neuen Festbeträge bzw. Zuzahlungsfreistellungsgrenzen verringert. Patien-ten, denen ihr Arzt weiterhin diese Arzneimittelverordnet, müssen die Differenz zwischen Festbetrag und Apothekenabgabepreis aus der eigenen Tasche bezahlen (Aufzahlung).

Die betroffenen Unternehmen haben mit ihrer Preispolitik ein deutliches Signal gesandt, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen mit ihrem brachialen Vorgehen den Bogen bei der jüngsten Festbetrags- und Zuzahlungsfreistellungsanpassung überspannt haben. Wenn sich die GKV nicht alsbald eines Besseren besinnt, wird sie das bislang sehr effektive und marktnahe Ausgabensteuerungsinstrument „Festbetrag“ rasch weitestgehend aushöhlen. Denn sie kann das für sie kurzfristig lohnende Spiel, den Festbetrag immer wieder auf die Höhe der jeweiligen Zuzahlungsfreistellungsgrenze zu senken, mit jedem Wirkstoff nur sehr wenige Male spielen. Will sie - wie jetzt - zuviel, läuft sie Gefahr, wenig oder gar nichts zu bekommen. Die Zeche für eine solche verfehlte Preispolitik zahlen allerdings nicht die Krankenkassen, sondern die Patienten.

Auf die von der Zuzahlung freigestellten Medikamente entfiel im August 2008 ein Absatzan-teil von 17,7% des GKV-Marktes. Das waren 4,1% mehr als im August 2007, aber fast 5,6 Prozentpunkte weniger als im Mai 2008. Diese Arzneimittel erzielten im GKV-Markt Umsatz-anteile von 10,7% (AVP) bzw. 8,6% (HAP). Dies entspricht Einbußen von 1,1% (AVP) bzw. 3,8% (HAP) gegenüber dem Vorjahresmonat.

Bei fast allen von der Zuzahlung freigestellten Arzneimitteln handelte es sich um Generi-ka; auf sie entfielen mit 9.598 freigestellten Produkten satte 97,2% der zuzahlungsfreien Arzneimittel. Gegenüber dem August 2007 hat sich die Anzahl von der Zuzahlung freige-stellter Generika aus den bereits genannten Gründen indes um 1.566 Produkte (14%) ver-ringert, gegenüber dem Stand vom Mai 2008 ist noch immer ein starker Rückgang der An¬zahl zuzahlungsfreier Generika um 22,3% von 12.352 auf jetzt 9.598 zu konstatieren. Der-zeit ist knapp ein Viertel (24,5%) aller aktiven generischen Handelsformen zuzahlungsfrei, im Mai 2008 war es noch fast ein Drittel.

Die pharmazeutisch hochwertigen sicheren bewährten und preisgünstigen Generika entlas-ten also nicht nur die GKV in einem bislang nie dagewesenen Umfang (vgl. Tz 4), sondern sie schonen nach wie vor auch noch den Geldbeutel der Versicherten.

download Zuzahlungsfreigestellte Arzneimittel Aug 08 (pdf) (49.8 KB)

9. Rabattverträge (August 2007/August 2008)- Datenbasis: INSIGHT HEALTH

a) Rabattvertragsvolumen, Vertragspartner

Im August 2008 bestanden 4.300 Rabattverträge, an denen 240 Krankenkassen und 112 pharmazeutische Unternehmer beteiligt waren; im August 2007 existierten 2.707 Vereinba-rungen nach § 130a Abs. 8 SGB V, deren Partner 241 Krankenkassen und 56 pharmazeuti-sche Unternehmer waren. Demnach hat sich die Anzahl der pharmazeutischen Unternehmer, die mit Krankenkassen kontrahiert hatten, gegenüber dem Vorjahresmonat verdoppelt. Die Anzahl der Rabattverträge nahm um 1.593 Vereinbarungen (58,8%) zu.

Gegenstand der 4.300 Rabattverträge waren 27.191 aktive Handelsformen, deren Anzahl sich im Vergleich zum August 2007 um 7.963 Produkte (41,4%) erhöhte. Auf der Basis der Pharmazentralnummer (PZN) waren im August 2008 1.744.917 Rabatte zu verzeichnen, was einem Plus von 664.219 Rabatten (61,5%) entspricht. Mithin existierten im August 2008 für jede aktive Handelsform durchschnittlich 64,2 Rabatte (August 2007: 56,2).


b) Rabatte auf Generika

1.704.132 Rabatte betrafen Generika, das waren 644.892 Rabatte (60,9%) mehr als im Au-gust 2007. Der Generikaanteil am Rabattgesamtvolumen hat sich gleichwohl um 0,3 Pro-zentpunkte auf 97,7% verringert. Mit 1.425.496 Rabatten entfiel das Gros der Rabatte (83,6%) auf Generika, die mit einem Festbetrag belegt waren. Gegenüber dem Vorjahres-monat ergab sich bei diesen Produkten ein Zuwachs von 513.721 Rabatten (56,3%).


c) Rabatte auf patentfreie Erstanbieterprodukte

Im August 2008 waren auf PZN-Basis 12.185 Rabatte auf patentfreie Erstanbieterprodukte vereinbart. Dies entspricht einem verschwindend geringen Anteil von 0,7% am Rabattge-samtvolumen. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Anzahl dieser Rabatte allerdings fast verneunfacht und ihr Anteil am Rabattgesamtvolumen versiebenfacht. Auch bei den patentfreien Erstanbieterprodukten betraf der Großteil der Rabatte (8.584) den Festbe-tragsmarkt; der Anteil der rabattierten festbetragsgebundenen patentfreien Erstanbieter-produkte lag mit 70,4% jedoch deutlich unter dem der festbetragsgebundenen rabattierten Generika.


d) Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel

Auf PZN-Basis gab es im August 2008 11.532 Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel. Ihre Anzahl ist dem Vorjahresmonat gegenüber nur geringfügig um 532 (4,8%) gestiegen. Bemerkenswert ist, dass die Anzahl der Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel im Au-gust 2008 erstmals niedriger ist als die Anzahl der Rabatte auf patentfreie Erstanbieter-produkte. Ihr Anteil am Rabattgesamtvolumen beträgt ebenfalls 0,7%.


e) Rabatte auf „sonstige Arzneimittel“

Auf „sonstige Arzneimittel“ wurden im August 2008 17.068 Rabatte gewährt, der Anteil dieser Preisnachlässe am Gesamtrabattvolumen ist mit 0,9% ebenfalls vernachlässigbar niedrig.


f) Ab- und Umsatz rabattierter Arzneimittel

Im August 2008 gaben die Apotheken 21,8 Mio. rabattierte Arzneimittel ab. Dies entspricht einem Absatzanteil von 45,3% im GKV-Gesamtmarkt. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich der Absatz rabattierter Arzneimittel um 9,5 Mio. PE (77,1%) erhöht. Der Umsatz von „Rabattarzneimitteln“ belief sich im August 2008 auf 489,7 Mio. Euro zu AVP bzw. 217 Mio. Euro zu HAP. Dies entspricht Zuwachsraten von 82,9% bzw. 80,9%.

Die Marktrelevanz von Rabattverträgen steigt demnach weiterhin rasant an.


g) Rabattverträge im Generikamarkt

Die Daten des Monats August 2008 belegen erneut, dass die Rabattverträge ihren Siegeszug zumal im Generikamarkt fortsetzen. Dies nimmt angesichts der gesetzlichen Rahmenbedin-gungen auch nicht wunder:
Rabattverträge mit Krankenkassen zu vereinbaren, stellt für Generikahersteller ein be-triebswirtschaftliches Muss dar. Von einer souveränen und autonomen Entscheidung der pharmazeutischen Unternehmer pro oder contra Rabattvereinbarung kann seit dem GKV-WSG keine Rede mehr sein, das die Aut-idem-Regelung mit Rabattverträgen verknüpft hat. Generikaherstellern, die ihre Marktpositionen im GKV-Arzneimittelmarkt, ihrem Schlüssel-markt, halten oder ausbauen wollen, bleibt gar keine andere Wahl, als mit möglichst vielen marktstarken Krankenkassen Verträge nach § 130a Abs. 8 SGB V zu schließen.

Die betriebswirtschaftliche Ratio eines Rabatts bleibt dabei auf der Strecke. Sie besteht darin, dass der Hersteller/Lieferant den Preis eines Produktes in der Erwartung reduziert, die damit verbundenen Erlöseinbußen durch Mengensteigerungen zu kompensieren. Dieses Tauschgeschäft „Preis gegen Menge“ ist im GKV-Markt indes weitgehend außer Kraft ge-setzt.

Denn die Verkettung von Aut-idem-Abgabe und Rabattverträgen bringt nicht etwa nur bes-sere Absatzchancen für die betreffenden generikafähigen Medikamente. Die so genannte Scharfstellung der Rabattverträge geht vielmehr weit darüber hinaus: Ein Rabattvertrag ist conditio sine qua non für den Zugang zum jeweiligen generikafähigen Krankenkassen-markt. Nur ein Rabattvertrag gewährleistet, dass Versicherte der jeweiligen Krankenkasse mit den Produkten des Herstellers versorgt werden. Mithin räumt ein Rabattvertrag den Vertragspartnern der Krankenkasse unter dem Strich ein temporäres Belieferungs- und Verkaufsprivileg ein. Pharmazeutische Unternehmer, die bei der Vergabe von Rabattver-trägen nicht zum Zuge gekommen sind, unterliegen hingegen einem auf die Laufzeit der Vereinbarung befristeten faktischen „Verkaufs-/Beliefe¬rungs¬verbot“.

Das Belieferungs- und Verkaufsprivileg der Rabattvertragspartner wird dadurch realisiert, dass die Apotheken § 129 Abs. 1 Satz 3 SGB V zufolge verpflichtet sind, stets rabattbegüns-tigte Arzneimittel abzugeben, wenn die im Gesetz (§ 129 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Satz 2 SGB V) und in § 4 des Rahmenvertrages nach § 129 Abs. 2 SGB V definierten Voraussetzungen einer Substitution vorliegen (und auf der regionalen Ebene keine Zielpreisvereinbarung gemäß § 129 Abs. 5 Satz 1 und 4 SGB V geschlossen worden ist). Arzneimittel, die nicht Gegenstand eines Rabattvertrages sind, dürfen von den Apotheken nicht an die Versicherten dieser Krankenkasse abgegeben werden; Verstöße gegen diese Obliegenheit kann der Versiche-rungsträger mit der „Retaxierung auf Null“ ahnden. Die Apotheke erhält von der Kranken-kasse überhaupt kein Geld, wenn sie statt eines Rabattarzneimittels ein nicht rabattiertes Präparat abgegeben hat, obwohl alle Voraussetzungen für eine Substitution vorlagen.

Die Vereinbarung kassenindividueller Preisnachlässe ist also der Preis dafür, dass ein Ge-nerikahersteller überhaupt als „Arzneimittellieferant“ dieser Versicherungsträger fungie-ren kann. Der aktuelle Rahmenvertrag nach § 129 Abs. 2 SGB V hat das letzte Schlupfloch geschlossen, das Generikaherstellern wegen einer mehrdeutigen Formulierung im zuvor geltenden Rahmenvertrag auch ohne Rabattvertrag die Belieferung von Krankenkassen er-möglichte, die mit anderen Herstellern entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen hat-ten. Seit dem 01.03. bzw. dem 01.04. 2008 ist der Markt einer Krankenkasse, die mit ande-ren pharmazeutischen Unternehmern Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V vereinbart hat, jedoch mit zwei Ausnahmen für Hersteller versperrt, die nicht mit ihr kontrahiert haben. Ausnahme Nr. 1: Der Arzt hat ein Nicht-Rabattarz¬nei¬mittel verordnet und die Sub-stitution ausgeschlossen. In 75% bis 80% der Fälle, in denen Vertragsärzte einen patent-freien Wirkstoff verordnen, lassen sie den Austausch aber zu. Ausnahme 2: Die Bezeichnung des verordneten Arzneimittels in der Großen deutschen Spezialitätentaxe ist nicht mit der eines potenziellen Austauscharzneimittels identisch.

Unter dem Strich hat das GKV-WSG eine „Revolution“ im generikafähigen Markt ausgelöst. Die Krankenkassen sind vom bloßen Payer zum Player avan¬ciert. Der Gesetzgeber hat ein lupenreines Einkaufsmodell realisiert, bei dem die Krankenkassen mit ihrer Rabattver-tragspolitik über die Marktchancen der Generikaindustrie im verschreibungspflichtigen Marktsegment entscheiden. Jeder Generikahersteller kann sich zwar frei entscheiden, ob er das Krankenkassenspiel mitspielen will oder nicht. Aber: Wer bei einer Ausschreibung kein Angebot abgibt, hat den jeweiligen Krankenkassenmarkt von vornherein kampflos preisgegeben.

Generikahersteller sind (gezwungenermaßen) die Hauptakteure im selektiven Vertragswett-bewerb in der Arzneimittelversorgung. Generika entlasten die GKV also nicht nur nach den Listenpreisen (vgl. nochmals Tz 4), sondern sie bewirken über die Rabattverträge weitere gravierende kassenindividuelle Einsparungen.

download Anzahl Arzneimittelrabatte August 08 (pdf) (71.7 KB)

10. Strukturkomponente - Datenbasis: IMS HEALTH

a) Methodik

Die IMS HEALTH-Strukturkomponentenstudie wird auf der Grundlage des Brutto-AVP be-rechnet, Hersteller- und Apothekenabschläge werden mithin ebenso nicht herausgerechnet wie die Arzneimittelzuzahlungen der Patienten. Ausgeklammert sind zudem die Entlastun-gen, die für die Krankenkassen aus Rabattverträgen nach § 130a Abs. 8 SGB V resultieren. Für die Studie hat IMS HEALTH den GKV-Markt in vier Segmente gegliedert (Segment 1: pa-tentgeschützte Arzneimittel ohne Festbetrag; Segment 2: patentfreie Arzneimittel ohne Generikakonkurrenz und ohne Festbetrag; Segment 3: patentfreie Arzneimittel mit Generi-kakonkurrenz, aber ohne Festbetrag; Segment 4: Festbetragsarzneimittel).

Die Analyse untersucht sowohl den Intramedikamenteneffekt (Umsatzveränderungen, die auf Verordnungsveränderungen beruhen, die die Packungsgröße, die Dosis/Wirkstärke oder die Darreichungsform identischer Präparate be¬tref¬fen) als auch den Intermedikamenteneffekt (Umsatzveränderungen, die auf die Ver¬¬ordnung anderer Arzneimittel zurückzuführen sind; IMS Health untersucht dabei Verschiebungen innerhalb der vier Marktsegmente, zwischen den vier Marktsegmenten sowie zwischen Indikationsgruppen).



b) im 1. Halbjahr 2008 (Preisbasis: Brutto-AVP)

Auf der Basis des Brutto-AVP sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im 1. Halb-jahr 2008 gegenüber dem 1. Halbjahr 2007 per Saldo um 871,7 Mio. Euro (6,4%) auf 14,5 Mrd. Euro gestiegen. Dieser Saldo schlüsselt sich wie folgt auf: Die Strukturkomponente, deren Steigerungsrate 4,9% beträgt, hat Mehrausgaben von 667 Mio. Euro bewirkt. Der Ausgabenanstieg geht mithin weit über¬wiegend auf ihr Konto. Aus¬gabentreiber Nr. 2 war der Mengenzuwachs in Höhe von 3,1%, der Mehrausgaben von 418,8 Mio. Euro verursacht hat. Auffällig ist, dass die Rate der Mengensteigerung im II. Quartal 2008 mit 5,2% deut-lich über der Steigerungsrate der Strukturkomponente lag, die im 2. Quartal auf 3,5% zu-rückgegangen ist.

Ausgaben dämpfend hat sich im Untersuchungszeitraum lediglich die um 1,6% gesunkene Preiskomponente ausgewirkt, die der GKV eine Entlastung von 215,3 Mio. Euro beschert hat. Die Detailanalysen der vier Marktsegmente belegen, dass der größte Druck auf die Arzneimittelausgaben der GKV (auch) im 1. Halbjahr 2008 von den patentgeschützten Arz-neimitteln und den patentfreien Arzneimitteln ohne Generikakonkurrenz und ohne Festbe-trag ausgegangen ist.

Segment 1: Patentgeschützte Arzneimittel ohne Festbetrag:

Die Ausgaben sind um 690 Mio. Euro (24,3%) auf 3,5 Mrd. Euro nach oben geschnellt. Dieser Zuwachs basiert sowohl auf der Struktur- als auch auf der Preis- als auch auf der Mengen-komponente. Die Strukturkomponente ist um 8,6% gestiegen, was zu Mehrausgaben von 246 Mio. Euro geführt hat. Der Verordnungsmengenzuwachs um 1,9 Mio. PE (13,6%) hat ein Aus-gabenplus von 387 Mio. Euro bewirkt und war damit der Hauptausgabentreiber in diesem Marktsegment. Die um 2% gewachsene Preiskomponente hat die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen um knapp 57 Mio. Euro erhöht.
In diesem Marktsegment machen sich nach wie vor vor allem die kontinuierlich steigenden Ausgaben für die besonders teuren Spezialpräparate bemerkbar. 2006 hat die GKV für die-se Arzneimittel 5,2 Mrd. Euro aufgewandt (Arzneiverordnungsreport 2007 S. 13).

Segment 2: Patentfreie Arzneimittel ohne Festbetrag und ohne Generikakonkurrenz:

Der Umsatz in diesem Teilmarkt ist um 236 Mio. Euro (10,8%) auf 2,5 Mrd. Euro gestiegen. Die Strukturkomponente weist in diesem Marktsegment eine Wachstumsrate von 8,4% auf, was einer Ausgabenzunahme von 185,2 Mio. Euro entspricht. Der Absatz ist um 0,7% (0,2 Mio. PE) rückläufig, woraus Minderausgaben von 18,1 Mio. Euro resultieren. Der Anstieg der Preiskomponente um 3,1% spiegelt eine Ausgabenzunahme von 68,9 Mio. Euro wider.

Segment 3: Patentfreie Arzneimittel mit Generikakonkurrenz, aber ohne Festbetrag:

Der Umsatz in diesem Marktsegment betrug 2,2 Mrd. Euro, die Ausgaben wuchsen dabei per Saldo um 74 Mio. Euro (3,5%). Davon entfiel das Gros auf das starke Mengenwachstum von 1,5 Mio. PE (3,4%), das mit Mehrausgaben von 72,4 Mio. Euro zu Buche schlug. Die vom Fak-tor „Preis“ ausgehende Mehrbelastung der GKV belief sich in diesem Marktsegment auf 15,5 Mio. Euro (0,6%). Die um 0,7% rückläufige Strukturkomponente entlastet die GKV um 13,9 Mio. Euro.

Die Daten dieses Teilmarktes indizieren die Marktdynamik: Denn dieser zum generikafähi-gen Markt gehörende Teilmarkt stellt für die um- und absatzstarken Arzneimittel eine Übergangsphase dar, die sie nach Patentablauf und vor der Festsetzung eines Festbetrages durchlaufen. Der Erstanbieter senkt seinen Preis unmittelbar nach Patentablauf üblicher-weise entweder gar nicht oder nur leicht, und der Preiswettbewerb im Generikamarkt strebt noch seiner höchsten Intensität entgegen. Der Absatzzuwachs deutet darauf hin, dass die Ärzte die betreffenden Arzneimittel nach dem Markteintritt preisgünstiger Gene-rika häufiger verordnen.

Segment 4: Festbetragsmarkt:

Als Ausgabenbremse fungierte hingegen einmal mehr der Festbetragsmarkt. Hier ist der Umsatz im 1. Halbjahr 2008 nämlich unter dem Strich um 132 Mio. Euro (-2,1%) auf 6,3 Mrd. Euro gesunken. Die wesentliche Ursache dafür ist das um 5,6% rückläufige Preisniveau, das Minderausgaben von 356,5 Millionen Euro bewirkt hat. Diese gravierende Entlastung hat die Mehrausgaben von 183,1 Mio. Euro überkompensiert, die der Mengenzuwachs von 6,7 Mio. PE (2,8%) verursacht hat. Die Strukturkomponente hat gegenüber dem Vorjahreszeit-raum Mehraufwendungen von 41,4 Mio. Euro (0,6%) verursacht.

Da der Festbetragsmarkt die angestammte Domäne der Generika ist, sind die dargestellten Entlastungen fast ausschließlich ihnen zu verdanken.

download Entwicklung GKV-Markt 1.HJ. (pdf) (47.7 KB)

download Entwicklung GKV-Markt 2. Quartal (pdf) (47.7 KB)

zurück

HOME | PRO GENERIKA | GENERIKA | PUBLIKATIONEN | PRESSE | LINKS | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ
Seite drucken
letzte Änderungen: 17.1.2012 17:09